552 D ritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
liener mit Vollem Selbstgefühl und erst in zweiter Linie Klosterchronistund als solcher bestrebt ist, sein Kloster nach jeder Richtung und mit allenMitteln zu verherrlichen. Das tat er mit Hilfe fein ausgesonnener und weit-gesponnener Fälschungen aller Art und im Bestreben, die Weltgeschichtein den Dienst der Geschichte seines Klosters zu setzen.
Zeugnisse. Das Leben des Petrus ergibt sich nur aus seinen Schriften, von denen zweiBände im Autograph (Gas. 361 und 257) vorliegen. Die Autobiographie steht in ersterFassung als Kap. 46 im Lib. ill.vir. ed. Mari p. 70ff., in zweiter im Cas. 257 1 und alsChron. Casin. 4, 66; 2 sein Leben ist kritisch dargestellt von Caspar a.a.O. S. 21—26.Die Vitruvexzerpte sind verloren, vgl. J. Polenii, Exercitat. Vitruv. 2,171 (Padual74i)iDer Liber notarum herausgegeben von Mommsen bei Keil, Gramm, lat. 4, 331. ZurHist. Romana vgl. Caspar S. 198f., wo auch p. 199 n. 2 (Plato und Varro) zu beachtenist. Der Liber ill. virorum (ed. Mari, Paris 1666) ist dem Bischof Pandulf von Teano ge-widmet, vgl. p. 1. Der Ortus et vita iustorum aus Vatic. 6299 s.XVII ed. Ang. MaiScipt. vet. nova collectio 6,2,245 ( = Migne. 173,1063); vgl. Caspar S. 33ff. und36—46. Der Liber de locis sanctis im Cas.361f. 33b, ed. P. Riant, Petri Casin. dyac.über de locis sanctis, Neapel 1870 und G. F. Gamurrini, S. Hilarii tractatus de myst!et hymni et S. Silviae peregrinatio p. 113—143 (Rom 1887). Die Explanatio zu Bene-dikts Regel im Casin. 257 p. 113 (ed. T osti, Bibl. Casin. 5 Floril. p. 82—165). Die Aepito-ma im Casin. 257; hier kehrt Varro wieder Floril. p. 74 Et si M. Publius 3 TerentiusVarro institutiones civiles compositas edidit, quibus Romanorum dissidentium Utes con-lentionesque sopiret, quanto melius et rectius patris Benedicti regulam exponere debemus?In qua non de stillicidiis aut aquis arcendis aut de manu conserenda vel de orbe Romanoordinando, sed de spe de vita de salute . . . loquemur.* Der Rhythmus aus Cas. 361 f. 105bei Migne 173,1143. Viele seiner Schriften sind noch ungedruckt, manches ist imFlorileg. Casin. 5,1 und von Caspar S. 207—280 herausgegeben. Über Petrus als Schrift-steller vgl. Caspar S. 196—204, Wattenbach 2,236. W. Smidt in Papsttum undKaisertum (Festschr. f. Kehr, München 1925) S. 263—286. H. Zatschek, Neues Archiv47,174ff. (1927).
5. JOHANNES DE SANCTO VINCENTIO
Das Kloster zu St. Vinzenz amVolturno, 703 gegründet, 5 war eine großeund angesehene Stiftung. Jetzt ist es zerstört, doch von seiner Geschichtegab der Mönch Johannes zu Anfang des 12. Jahrhunderts ausführlich Kunde,indem er die Chronik besonders mit Hilfe der Urkundenschätze des Klo-sters schrieb. Er berichtet, daß er mit sieben Jahren unter Abt Girard demKloster übergeben worden sei und daß ihm dieser die Chronik später auf-getragen habe. Das gleiche habe dessen Nachfolger Benedikt getan—ihmist das Werk gewidmet — und so habe er auf Grund der Werke des Hiero-nymus, Isidor und Eusebius mit der Weltschöpfung begonnen. Nach derWidmung zählt dann Johann die päpstlichen Privilegien für die Äbte aufund kommt nach Erwähnung der Siebenteilung des Werkes ausführlich aufdie Symbolik dieser Zahl zu sprechen und erwähnt, daß er die noch nichtfertiggestellte Chronik zum Konzil von Benevent (1108) mitgebracht unddort dem päpstlichen Kanzler Johannes, dem späteren Gelasius IL, sowieauch dem Papste Paschalis II. gezeigt habe, der ihm darauf sagte: „Bene,o fili, magnum opus coepisti, sed bene coepta melius perficere stude." Er sprichtdann in der Widmung von den Quellen, auf die er das Werk gründete undkurz vom Inhalt und der Ausdehnung der sieben Bücher, in die er es ein-
1 Ed. Tosti in der Bibl. Casin. 5,1, Floril. 4 Vgl. P. Bonfante, Rendic. d. R. Istit.p. 51 f. Lomb. di sei. e lett. Ser. 2 vol. 42, 318—323.
2 MG. SS. 7, 794,13—795, 34. 5 Vgl. Muratori, SS. rer. Ital. 1, 2, 323.
3 Er macht also den Reatinus und Ata- 6 Es sind im ganzen fünfzehn und sie er-cinus zu einer Person! strecken sich bis auf Urban II.