550 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
und 1137 begann er die Fortsetzung der Chronik Leos, das wichtigsteWerk, das er hinterlassen hat; er schrieb damals nicht nur das Registersondern auch die noch fehlenden Teile des 3. und einige Kapitel des 4. Buches(H. Zatschek, Neues Archiv 47,174ff.), aber über diese Zeit hinaus ist nichtmehr viel von ihm bekannt. Sicher ist, daß er den Amtsantritt Papst Lucius II,(1144) erlebt hat und vielleicht hat er noch eine Klosterurkunde des Jahres1153 unterzeichnet. Daß er die von Leo verfaßten Teile der Klosterchronikgenau gekannt hat, hat Smidt (Papsttum u. Kaisertum S. 263 ff.) neu ge-stützt ; nach ihm müßten die drei weiteren Fassungen, die man als verschie-dene Stadien einer unermüdlichen Teilarbeit Leos ansah, auf Petrus zurück-geführt werden.
Petrus ist ein ungemein fruchtbarer Schriftsteller gewesen, doch müssenwir uns mit der Erwähnung seiner Schriften kurz fassen, da die große Mehr-zahl hagiographischer oder homiletischer Natur ist und seine eignen An-gaben öfters durchaus irre führen, wie E.Caspar nachwies. So hat erhäufig allerhand Stilübungen mit besonders bedeutenden Überschriftenversehen, oder er hat einfach Schriften gefälscht. So will er zwei Briefean die Kaiserin Richenza und einen Brief an Konrad III. zur Thronbestei-gung gerichtet haben, 1 dem er auch angeblich den Liber notarum und Degeneribus lapidum pretiosorum widmete; 2 ferner erdichtete er BriefeKaiser Lothars III., 3 zwei Briefe Benedikts an Maurus und an Remigiusvon Reims sowie eine Predigt Benedikts über Maurus, 4 und endlich gab ervor, das Steinbuch des Araberkönigs Eva aus dem Griechischen übersetztzu haben, 5 wo ihm doch die Kenntnis dieser Sprache gänzlich mangelte.
In seiner Jugend hat er sich vielfach mit Abschreiben und Exzerpierenvon alten Autoren beschäftigt, wie er den Solin abschrieb (Casin. 391) —inseiner Selbstbiographie meldet er Solinum de miraculis breviarit —, fernerAuszüge aus Frontin, Vegetius und Varro herstellte (Casin. 361) und denVitruv abkürzte; 6 auch eine Kopie der Synonyma Ciceronis von seinerHand hat sich erhalten (Casin. 316). Ferner stellte Petrus einen Libernotarum her, ein Verzeichnis der gebräuchlichsten paläographischen Ab-kürzungen, zu dem er durch den kaiserlichen Kanzler Beatulf aufgefordertsein will; das Werkchen ist nach Th. Mommsen völlig wertlos, da es aufuns bekannten Quellen, den Notae Papinianae und Notae Einsidlenses be-ruht und mit großer Flüchtigkeit abgefaßt ist. Von Schriften zur altenGeschichte verfaßte er eine Historia Romana (im Vatic. 2953 s. XIII),einen Catalogus regum consulum dictatorum tribunum patriciorum etimperatorum gentis Troianae (Casin. 257 f. 1) und eine (verlorene) Chronicaconsulum dictatorum et imperatorum, die an andrer Stelle Ystoria gentisTroiane a Noe usque ad sua tempora genannt wird. Von Schriften natur-wissenschaftlichen Inhalts ist die schon erwähnte De generibus lapidum
1 Vgl. Caspar a.a.O. S. 25 und n. 6. 7. 1666) 47 p. 71 Vitruvium de archilectm
2 Caspar S. 25 n. 5. abbreviavit. Caspar S. 154 n. 4 bemerkt,8 Caspar S. 24 und n. 6. daß eine Stelle der Klosterchronik .4, ii4 Caspar S. 24 und n. 6. aus Veget. 2, 7 und S. 53 n. 7, daß eine6 Caspar S. 28 n. 8. Stelle des Prologs der Vita Placidi aus6 Petri Diac. de viris ill. Casin. illustratum Solin 52, 25 genommen ist.
stud. et opera Joh. Baptistae Mari (Paris