536 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
ihm den Grund ihres Hierseins mitteilte. Beide klagten die Mailänder beiKönig Friedrich I. an, da sie den Lodesen den Markt genommen hattenAlbernardus sprach gut deutsch und hielt vor dem König eine eindringlicheRede, deren Wortlaut Otto in seinem Werke wiedergibt. Indem er also denGrund zu dem Zwist zwischen Lodi und Mailand mitteilt, schildert er nundie Aufnahme eines königlichen Gesandten in beiden Städten und stelltdann den ersten Zug Friedrichs dar; die auf den roncalischen Feldern zwi-schen dem König und den Mailändern geführten Unterhandlungen werdenvon Otto in seinem höchst ungelenken Stil ausführlich wiedergegeben.Daran schließt sich nun die Darstellung des großen Krieges gegen die auf-sässige Stadt, und zwar gehört sie wegen ihrer Genauigkeit und wegen desEingehens auf italienische Verhältnisse zu den wertvollsten ihrer Art.Otto gelangte bis zum September 1161, dann setzte sein Sohn AcerbusMorena die Arbeit des Vaters ganz in dessen Sinne fort.
Acerbus stand ebenfalls im königlichen Dienst und war nach einer Ur-kunde von 1161, die von Vater und Sohn konsigniert wurde, des VatersNotar. Im Jahre darauf erhielt er die Stellung eines Podestä in Lodi undgehörte zu der Zwölferkommission, die im März 1162 den Mailändern denEid des Gehorsams abnahm und er war unter den Geladenen des Kaisersbei dem großen Frühstück am 9. April 1162. Früher schon war er zumkaiserlichen Hofrichter ernannt und galt bei Friedrich wegen seiner strengenRechtlichkeit sehr viel. Am 10. April leistete er für die Lodesen in Paviaden Eid, an der Belagerung von Piacenza teilzunehmen, und nach einerUrkunde sprach er 1167 unter dem Vorsitz des Bischofs Daniel von PragRecht. Der Kaiser schickte ihn dann im August nach Rom, um den dortigenGroßen den Treueid abzunehmen. Doch als er hier unausgesetzt in diesemSinne tätig war, befiel ihn das Fieber und er ließ sich nach Siena Vecchiabringen, wo er noch zwölf Wochen krank lag und am 18. Oktober 1167starb. Er hat jene politisch so bewegten Zeiten vom September 1161bis September 1164 geschildert und sich dabei namentlich durch treffendeCharakteristiken hochstehender Personen ausgezeichnet. Aber auch seinWerk wurde von einem Zeitgenossen aus Lodi 1 fortgesetzt, der die Ge-schichte des Jahres 1167 noch höchst ausführlich berichtete und bis zumApril 1168 kam. Wir erhalten in diesem Werke De rebus Laudensibuseine allerdings vom ghibellinischen Standpunkt verfaßte, aber lichtvolleund den geschichtlichen Ursachen nachgehende Darstellung jener fürItalien so schweren und verhängnisvollen Jahre, die insofern bleibendenWert hat, als sie aus der Feder hochstehender Männer stammt, die an derkaiserlichen Politik selbst eifrig mitgewirkt haben. Auch hier findet sichausführliche und zwar realistische Persönlichkeitsschilderung, die für jeneZeit außergewöhnlich ist (MG. SS. 18, 640 f.).
Zeugnisse. Otto schreibt im Eingange (MG. SS. 18, 587, 21) Quieunque res a sanc-tissimo domino nostro imperatore Frederico . . . in Lombardia prospere gestas ac sapienteraudire desideras . . . (30) hunc libellum a me Ottone iudice qui dicor Morena ac misso domnitertii Lotharii imperatoris et secundi (!) Conradi regis perlege. In quo supradicta omniaet alia multa compendiose ac veraciter . . . scripta reperies. (34) Itaque a primo initio pietaüsac benignitatis quam . . . imperator Fredericus circa Laudenses primum exibuit inapiens
1 Vgl. Jaffe, MG. SS. 18, 585 n. 27.