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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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496 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung

und G. Schirren in dieser Beziehung viel zu weit gegangen sind, 1 wi eF. Wigger, H. de Breska, P. Regel und A. Böhmer nachwiesen. So-viel steht fest, daß Helmold für die früheren Zeiten, wenn man von seinendem Adam von Bremen entnommenen Nachrichten absieht, nicht gut un-terrichtet ist und daß er hier oft Wahres mit Falschem mischt und sichvielfach auf Sage und Volksüberlieferung stützt. Dagegen läßt seine spä-tere Erzählung den Trieb zur Wahrheit deutlich erkennen, und da wir beieinem großen Teil seiner Nachrichten auf ihn allein angewiesen sind, sogehört er zu den wichtigsten Historikern seiner Zeit.

Aufgebaut hat er seine Darstellung namentlich auf den mündlichen Be-richten der Bischöfe Vicelin und Gerold, aber auch des Grafen Adolf II,von Holstein. Als schriftliche Quellen treten besonders für die Anfänge desersten Buches hinzu Adam von Bremen 2 und die LebensbeschreibungenWillehads und Anskars, für später, aber vielleicht nur aus dem Gedächtnisbenutzt, die Chronik Ekkehards und die Annalen von Disibodenberg. Ver-wendung von Urkunden tritt bei ihm nicht hervor, wohl aber bringt er

1, 92 p. 179f. einen Brief Gerolds an die Parochialen von Bornhöved. Übri-gens ist es sehr wenig wahrscheinlich, daß Helmold eine Vita Vicelini inVersen benutzt hat, weil er 1,42 p.85f. einige Sätze in Distichen geschriebenhabe. Denn poetische Fragmente finden sich fast durch das ganze Werk,wie die in 1, 55 p. 107,14, 1, 67 p. 129, 8 ff. und 1,80 p. 149,1 f. schon be-kannt sind, zu denen ich 1,12 p. 24, 29 f. 1, 44 p. 88, 3 ff. und 1, 45 p. 90, 7noch hinzufüge. 3 Wenn auch Arnold von Lübeck, der Fortsetzer Helmolds,sagt, daß dieser sein Werk nicht bis zu Ende geführt habe, so ist dieswohl mit Schmeidler 4 dahin zu erklären, daß das zweite Buch außer-ordentlich kurz gegenüber dem ersten ist. Denn der Hauptinhalt der ganzenDarstellung, die Slavenkriege und die Slavenmission, hat im Schlußkapitel

2, 110 p. 217 f. durch die breite Auseinandersetzung der friedlichen Folgendes Abkommens an der Eider ein wirkliches Ende erreicht, wenn auch eineigentliches Schlußwort fehlt.

Was die Form anlangt, so ist die Sprache durchaus schlicht und lehntsich sowohl nach Wortschatz wie Syntax ganz an die Bibel an. Der gleich-förmige Satzbau wirkt zuweilen eintönig und Helmold hat nur ganz ver-einzelt einen dem Vergil 5 oder Sallust entlehnten Ausdruck gebraucht, undseine Prosa mit dem Endreim zu schmücken hat er gänzlich unterlassen.Auch ist der Wortschatz nirgends gesucht, sondern bleibt durchaus einfach,wie überhaupt das ganze Werk einen schlichten Eindruck macht und vielweniger gelehrt aussieht als Adams Darstellung. Fortgesetzt wurde dieSlavenchronik durch Arnold von Lübeck und benutzt wurde sie öfters inder späteren sächsischen Geschichtschreibung, so vom Verfasser der Chronik

1 Vgl. Schmeidler p. Xllf. p. 122,12f.

2 Auch 1,69 p. 130, 26 f. beruht auf 4 p. X der Ausgabe.

Adam. 6 So 1, 49 p. 97, 6 nautica pinu aus Verg.

3 1, 6 p. 16, 16 sind die Worte Ibi fomes Ecl. 4, 38.1, 79 p. 149, 2 ist Ovid exPontoest errorum wohl nur zufällig ein rhythmi- 1, 2, 60 benutzt. Zu Boethius vgl. 1, 25scher Achtsilber, desgleichen 1, 5 p. 15, 6 p. 49, 3 und 1,75 p. 144,10 ff. Anlehnungiactum semen verbi dei, 8 Quamvis enim in an die Vita Martini des Sulpicius Severuseisdem, 9 qui crudelitatem suam, 1, 55 vgl. 1, 36 p. 71, 22. 1, 91 p. 177, 24f.