C. Kreuzzugsgeschichte 433
b) Historia rerum in partibus transmarinis gestarum. Das vonder Zeit des Kalifen Omar bis ins Jahr 1184 reichende Werk ist nicht nurdie umfassendste, sondern auch die bedeutendste Leistung auf dem Ge-biet der Kreuzzugsgeschichten. Wilhelm grüßt in der Widmung alle, inderen Hände es komme, und geht von der gefahrvollen Stellung aus, dieder Darsteller der Fürstengeschichte einnehme. 1 Darüber äußert sich Wil-helm ausführlich und gibt dann das auch von Einhart in der Vorrede zurVita Karoli gebrachte Zitat aus Cic. Tusc. 1, 3, 6. 2 Am höchsten freilichstehe die Vaterlandsliebe und ihr habe er nachgegeben. Und dazu kommeder oft wiederholte Wunsch des Königs Amalrich, der ihn zur Arbeit ge-trieben habe. In seinem jetzigen Werke aber habe er weder ein griechischesnoch arabisches Vorbild verwenden können, sondern er werde hier die Über-lieferung benutzen und einiges wenige aus eigner Anschauung hinzufügen.Ausgehen werde er von dem Zuge der abendländischen Großen nach demOrient und enden mit der Regierung Balduins IV., des siebenten Königsvon Jerusalem. Er selbst sei Erzbischof von Tyrus und Kanzler des Reichesund er habe das Werk in 23 Bücher geteilt und zu leichterer Übersicht fürden Leser die einzelnen Kapitel gehörig bezeichnet. Und wenn ihm dasLeben bleibe, so werde er sein Werk fortsetzen und nach der Größe desneuen Stoffes die Bücherzahl vergrößern.
Im ersten Buche spricht er kurz über den Kalifen Omar, über die Schick-sale Syriens zur Zeit des Perserkönigs Chosroe und dann über die Be-ziehungen Harun al Raschids zu Karl dem Großen, wobei er 1, 3 den be-treffenden Abschnitt sowie den über die christliche Liebestätigkeit Karlsgegen Fremde und Pilger wörtlich aus Einharts Vita Karoli aushebt. 3Mit Kap. 11 beginnt die eigentliche Erzählung. 4 Die Ankunft Peters vonAmiensin Jerusalem, die Beziehungen der Päpste zu Heinrich IV., Urban ILund das Konzil von Clermont, die Kreuzrede des Papstes und ihr Erfolg;und dann zählt Wilhelm in Kap. 17 so viele abendländische Teilnehmer amersten Kreuzzuge auf, wie wir bei keinem andern Schriftsteller lesen, undberichtet über die ersten Ereignisse des Zuges. Schon aus dieser Anlage desersten Buches erkennt man, daß man es mit einem wirklichen Historikerzu tun hat, und das wird man beim zweiten Buche erst recht gewahr, dennWilhelm hält es nach dem Aufbruche Gottfrieds von Bouillon für notwen-dig, einen geographischen Abriß vom griechischen Reiche und eine Be-schreibung von Konstantinopel, letztere nach Solin 5 und Orosius, zu geben.Es folgen dann die Züge Boemunds von Tarent und Raimunds von Toulousenach dem Orient, wobei das abendländische Gewissen Wilhelms nicht ver-fehlt, die schreckliche Treulosigkeit der Griechen und besonders ihresKaisers stark hervorzuheben. Das dritte Buch setzt mit der Belagerung vonNicäa ein, das vierte erzählt die Taten von Gottfrieds Bruder Balduin.
1 Die Stelle Ter. And. 1,1, 41 ist zugleich ger) 16 p. 19,11—26 und 27 p. 31,18—32,
mit dem folgenden (Molesta est veritas — 2; die Lesarten kommen zum Teil mit A 1
irepraecipitem) aus Cic. de am. 25, 89 ent- überein.
le ™.- 4 1, 11 col. 227 C wird Stat. Theb. 1, 417
Vielleicht stammt es daher, denn die zitiert.
v ™ Karoli ist Wilhelm gut bekannt. 6 2, 7 col. 257 C und 258 A = Solin 12,
NamhchVita Karoli (ed. Holder-Eg- lf. p. 77, 13—78, 2 (ed. Mommsen 2 ).
H.1A.IX2, 3 28