F. Literaturgeschichten 315
buch 39, 256), daß er mit Heinrich gar nichts zu tun hat und ein Werk des12 Jahrhunderts ist, und Lehmann (daselbst 45, 556 f.) wies nach, daß erin den Handschriften hinter Sigebert steht. Er enthält 11 Kapitel und endetebisher mit Petrus Lombardus, doch nach Lehmann enthält das Kapitelver-zeichnis im Hag. 76. E. 15, das die von Hieronymus, Gennadius, Sigebert unddem Anonymus behandelten Autoren aufführt, hinter dem Petrus noch dieNamen Philippus (über ihn steht auch ein Artikel in der Handschrift),Radulphus und Petrus, von denen Philipp durch Lehmann als der be-rühmte Abt Philipp d'Harvengt erkannt wurde (f 1182). Somit scheintder kleine Katalog in Wahrheit noch etwas weiter zu reichen.
Ueberlieferung im Duac. 246. Hag. 76. E. 15 s.XII ex. Mus. Brit. Harlei. 3155 undAddit. 15218. Ausgabe im Anhang zu Henricus deGandavobeiAub. Miraeus, Bibliothecaecclesiatica, Antverp. 1639, p. 173f.
3. KONRAD VON HIRSCHAU
Konrad, etwa 1070 geboren, hat seine höhere Bildung dem KlosterHirschau verdankt, wo er den Unterricht des Abtes Wilhelm (f 1091) genoß.Später wurde er selbst Lehrer im Kloster und als solcher entfaltete er eineausgebreitete literarische Tätigkeit, denn Trithemius und später Parsi-monius legen ihm eine große Anzahl Werke bei. Zunächst einen Dialog,Speculum virginum genannt, 1 zwischen dem Presbyter Peregrinus und derNonne Theodora, der fromme Betrachtungen über den Nonnenstand ent-hält und nur selten geschichtliche Dinge berührt; jedenfalls hat er sichdurch seinen erbaulichen Inhalt der damaligen Zeit sehr empfohlen, danoch zahlreiche Handschriften davon übrig sind. Dann ein Werk über dieEvangelienperikopen und den Streit zwischen Paulus und Gamaliel überdas Alte und Neue Testament. Ferner eine kleine unter Hugo von St. Victorgedruckte Schrift De vita spiritus et fructu mortis, 2 die Haureau demKonrad auf Grund von Trithemius' Angabe beigelegt hat, ebenfalls hand-schriftlich mehrfach erhalten. Dann ein Dialog De contemptu et amoremundi zwischen einem bischöflichen Kleriker (Matricularius) und einemMönche,und Schriften De fructu carnis et spiritus und In gradus humilitatis.Ferner einige Heiligenleben, nämlich eine Vita Benedicti duplici metro, eineVita Paulini und eine Vita Nicolai sowie ein musikalisches Werk De musicaet tonis, Gedichte über Hiob, über die Psalmen, die Klagelieder Jeremiä,und die Evangelien, endlich Epigramme über Stellen aus den Psalmen undPropheten. Die Gedichte scheinen verloren zu sein, wichtig aber für unsist ein noch nicht erwähntes Werk, der Dialogus super auctores sivedidascalon, das ins Gebiet der Literaturgeschichte gehört, da es über 21Autoren von Vergil bis Theodul meist historisch handelt.
Zeugnisse. Zur Lebenszeit vgl. G. Schepss, Conradi Hirsaug. Dialogus super aucto-res (Würzburg 1889) S. 5, sie ergibt sich aus Trithemius, de Script, eccl. (Köln 1546) 163CZora« sub Conrado imperatore tertio anno domini 1140, sowie aus dessen Bemerkungen,daß er unter dem Abte Gerhard und dessen Nachfolgern, also in der Zeit von 1091 bis zurMitte des 12. Jahrhunderts gelebt habe und achtzig Jahre alt geworden sei, ferner daßKonrad Wilhelmi dbbatis quondam auditor atque discipulus gewesen sei. Die Aufzählung derWerke Trith. de scr. eccl. p. 163 Conradus monachus Hirsaugiensis . . . natione Teutonicus . ..
1 Die Autorschaft Konrads ist allerdings 2 Nach G.Schepss, Conradi Hirsaug. Dia-senr zweifelhaft, vgl. A.Watson, Specu- logus super aucotres S. 8 n.2 hieß die Schriftuim 3 (1928), 446. 467f. wohl De fructu carnis et spiritus.