D. Novelle, Archäologie, Memorabilia, Staatsschriften 267
scharfen Kritik und dem überlegenen Bedürfnis der höheren Stände nachAmüsement, und demgemäß war der Titel Nugae wohl am Platze; dochmag der Titel des Hauptwerkes von Johann von Salisbury 1 mitbestimmendgewesen sein. Bei dem so ungemein divergierenden Inhalt und der diffusenForm ist es sehr schwer, eine richtige Vorstellung von der Schrift zu geben,und ich muß mich daher hier nur mit ganz kurzen Angaben begnügen.Das Werk beginnt in seiner geistreichen Weise — sie mag öfters der altenSatire abgelauscht sein, ist aber in der Form neu und überraschend — miteinem scharfen Ausfalle gegen das höfische Leben. Es folgen — die Hand-schrift gibt hier nur Bruchstücke oder die bloßen Titel 2 •— Fabeln aus derantiken Mythologie, Erzählungen über den Britenkönig Herla und übereinen König von Portugal sowie von Mönchen, die das Kloster verließen.Es folgen Abschnitte über die Laster der Zeit und über die verschiedenenOrden. Dann wechseln in buntem Durcheinander Geschichten von Eremitenund Häretikern mit Erzählungen aus Wales, solchen von byzantinischenKaisern und von Schotten, wallisischen Sittenschilderungen und roman-tischen Geschichten, deren eine (Dist. 2, 29) aus Turpins Sagenchronik ent-lehnt ist, während eine andere (Dist. 3, 2) das Ausmaß eines kleinen Bo-mans besitzt und die sich anschließenden die Form der Novelle haben.Unter ihnen handelt eine von dem berühmten Normannenherzog Bollound dessen Gemahlin; in solche Umgebung ist dann die Epistola Valeriiad Rufinum gestellt. Es folgen Geschichten von dem Dämon Olga und vonMönchen sowie allerhand Erscheinungen, sodann ein sehr merkwürdigesWunder mit Gerbert, 3 Geschichten von einem Schuster in Konstantinopel,von dem Meermenschen Nikolaus Pipe, vom Britenkönig Alanus, von denKaufleuten Sceva und Ollo, vom König Apollonides, dem Grafen Godwin,demDänenkönig Knut, von König Heinrich I. von England und Ludwig VI. 4von Frankreich, endlich von König Wilhelm IL Am Schlüsse steht einekurze Wiederholung der ersten Abschnitte des Werkes.
So mischt sich hier Dichtung und Wahrheit, Geschichte mit Sage unddas Werk ist selbstverständlich für die Kulturgeschichte von großer Wich-tigkeit, wie schon F. Liebrecht auf seine Bedeutung für das Folk-loreaufmerksam machte. 5 Walter zeigt sich übrigens in dieser umfänglichenSchrift durchaus vertraut mit der älteren Literatur, weiß aber auch in derGegenwart Bescheid. Die Schuldichter, dazu Martial 6 und Claudian, sindihm durchaus geläufig; von Cicero kennt er De oratore und De senectute,mehreres verdankt er Gellius (4, 3 p. 152ff.) und dem Macrobius, vielleichtkennt er Plinius. 7 Aus Turpins Chronik (Hist. 7) hebt er ein Stück heraus, 8er zitiert ein Distichon Hildeberts 9 und nimmt Bezug auf einen Brief des
1 De nugis curialium et vestigiis philo- drei französische Verse, p. 223, 28 und 7
sophorum. weitere französische Stellen.
Aus Dist. 5, 7, wo eine gewisse Wieder- 6 Zur Volkskunde, Heilbronn 1879, S.25
holung von Dist. 1, 1—10 zu finden ist, —52.
läßt sich anscheinend manches ergänzen. 6 Vgl. Elter, Rhein. Mus 63, 472. 640.
Das große Glück und schnelle Aufstei- ' 1, 1 p. 3, 13f.; ob aber nicht Isid. Et.
gen des Mannes zum Papsttum soll darin 12, 1, 14 in Betracht kommt?
Erklärung finden. s Dist. 2, 29 p. 101.
Hier (Dist. 5, 5) finden sich p. 223,14ff. 9 1, 15 p. 24 = Beaugendre col. 1227.