200 Zweiter Abschnitt. Die Artes
Stücke des Kommentars mangeln, keinen rechten Einblick in die Benutzungder umfangreichen Literatur.
c) Heptateuchon. In diesem seinem Hauptwerke bietet Theodorichdas erste enzyklopädische Handbuch der sieben freien Künste und gibtAufschluß über den Umfang und Inhalt seiner Lehre. Die Enzyklopädieist so eingerichtet, daß sie im ersten und im Beginn des zweiten Bandes nacheinigen allgemeinen Erklärungen über Trivium und Quadrivium, und zwarso handelt, daß sie die vollständigen Texte der die einzelnen Wissenschaftenbehandelnden Autoren darstellt. Hierbei wird nun bei weitem das Triviumbevorzugt, auf das 434 Blätter entfallen, während für das Quadrivium nur161 Blätter übrigbleiben. 1 Der Inhalt (bis zur Astronomie) ist folgender:
A. Grammatik (190 Blätter). Donat De octo partibus orationis.Priscians Grammatik und fünf kleine Schriften De ponderibus et mensu-ris, De versibus comicis, De accentibus, De XII carminibus Vergilii, Dedeclinationibus, Donat De barbarismo. Die Erklärer Donats bleiben aus-geschlossen.
B. Rhetorik. (89 Blätter). Cicero De inventione. Rhetorica ad Heren-nium. De partitione oratoria dialogus. Iuliani Severiani syntomata acpraecepta artis rhetoricae. Martianus Capeila de rhetorica.
C. Dialektik. (155 Blätter). Porphyrius Isagoge nach Boethius. Aristo-teles Categoriae, Perhermenias, Analytica priora, Topica, Elenchi. Boe-thius Introductio ad syllogismos categoricos, De syllogismo categorico. Delogica oratio seu de philosophia rationali. 2 Boethius De syllogismo hypothe-tico, Ciceronis Topica, De differentiis topicis, De divisione, De diffinitione. Sohandelt Theodorich hier über alle Teile des aristotelischen Organon, 3 undes ist dies nicht nur der erste Versuch eines mittelalterlichen Schriftstellers,den Inhalt des Organon weiteren Kreisen zu vermitteln, sondern wir habenhier wohl auch dessen älteste Kopie in lateinischer Übersetzung vorliegen.So hat Theodorich jedenfalls einen nicht geringen Anteil an der Verbreitungdieser ,Logica nova' gehabt, die Otto von Freising mit nach Deutschlandbrachte.
D. Astronomie (77 Blätter). Hygin. Ptolemaei praecepta und tabulae.Auf die übrigen Wissenschaften des Quadriviums zusammen entfallen nur84 Blätter, so daß sich deutlich ein starkes Zurücktreten der mathemati-schen und musischen Disziplinen ergibt. Die große Enzyklopädie ist unge-druckt, dürfte aber für die Textgeschichte der alten Autoren von nicht ge-ringem Werte sein.
Daß sich Theodorich mit Ptolemaeus beschäftigte, muß bei den Zeitge-nossen bekannt geworden sein, denn 1144 übersandte ihm Rudolf de Brugis,den er unterrichtet hatte und der auch Schüler des Hermannus Dalmatinus, 4eines der ersten Übersetzer aus dem Arabischen ins Latein, gewesen ist, ausToulouse eine Übersetzung von Ptolemaeus' Planisphera mit einer schmeich-
1 Ich schließe mich hier ganz der von A. sagt (Metalog. 4, 6, Op. ed. Giles 5,162)Hofmeister, Neues Archiv 37,666f. ge- Posteriorum vero analyticorum subtilis qui-gebenen Inhaltsübersicht an. dem scientia est et paucis ingeniis pervia.
2 Von unbekanntem Verfasser. 4 Dieser hatte wahrscheinlich dem Ber-
3 Mit Ausnahme der Analytica poste- nardus Silvestris die Unterlage für dessenriora, von denen Johann von Salisbury Experimentarius übermittelt.