Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

A. Schriftsteller des Triviums 189

die seine Belesenheit in der mittelalterlichen Literatur darstellen. Das führthier auf seine literarischen Kenntnisse überhaupt, soweit sie nicht oben schonkurz berührt worden sind.

Es darf nicht täuschen, wenn wir bei Osbern p. 35 und 534 den für jeneZeit noch ganz seltenen Namen Apuleius 1 oder Namen wie Oppius 2 undArruntius 3 finden, denn alle die ihnen beigefügten Anführungen stammenaus Priscian oder Makrobius, wie auch das Petronzitat p. 627 dem Fulgen-tius 4 entnommen ist und die Solinstelle p. 422 aus Priscian, 5 wobei zu be-merken ist, daß Osbern mit den Grammatikertexten sehr frei umspringtund gern verändert oder ausläßt. Doch reichen seine literarischen Kenntnisseziemlich weit, wie die Namen der weniger verbreiteten 6 und von ihm ange-führten Autoren erweisen. Er zitiert also Plautus, dann die Ilias latina,Paulinus von Nola, Prosper, Sidonius und Fortunatus, sowie den CyprianusGallus unter dem Namen Alcuinus (verderbt aus Alcimus). 7 Aber auch diemittelalterliche Literatur wird nicht selten berührt, denn Osbern führt anaus Aldhelm De virginitate, aus Ambrosius Autpertus, aus Hrabans Denatura rerum, aus einem Gedichte Smaragds, aus Abbo De bell. Paris.urbis, aus Theoduls Ekloge, aus De viribus herb, des Odo, aus Marbods Liberde gemmis und endlich, was für die Zeitbestimmung wichtig ist, aus demGrecismus des Eberhard von Bethune. Als eigentliche Quelle für die Wort-forschungen des Hugutio kommt Osbern in Betracht, wie Goetz nach-gewiesen hat. 8 Und da die Überlieferung doch recht reichhaltig ist, so mußdas fleißige Werk viel gebraucht worden sein.

Zeugnisse. Daß das von Mai unter dem Titel Thesaurus novus latinitatis heraus-gegebene Werk, dessen erster Prolog (Glass. Auct. tom VIII, 1) mit den Worten Cumin nocte hiemali anfängt, auf den Mönch und Lehrer Osbern von Glocester zurückgeht,ist von W. Meyer nach einer Bemerkung Docens auf Monac. 17154 s.XII dargelegtworden. Dort findet sich nämlich die Stelle aus L e 1 a n d, De rebus Britannicis collectanea

4, 159 Gloceter. Osberni, monachi Glocestrensis, Panormia instar vocabularii ad Hameli-num abbaterri] Cum in nocte hyemali. Fuit hie impense eruditus, ut jacile est videre in reli-quis eius operibus, quae sunt in bibliotheca regia. Floruit sub Stephano et Henrico primo. aBale aber hat die Autorschaft der Panormia nicht nur dem Osbern von Glocester (Catal.Script. Brytanniae 1, 190 N. 54), sondern auch dem Osbern von Canterbury (ib. 1, 165N. 78) beigelegt. Die Zeit Osberns ergibt sich aus den Worten Floruit sub Stephano et Hen-rico primo (ob seeundo?) und aus der Ansetzung des Werkes von Eberhard von Bethune,das Osbern benutzt, 10 sowie aus dem Alter des Monac. 17154 s.XII. Die von Lelanderwähnte Widmung an Abt Hamelin (von Glocester) erfährt durch das Werk keineBestätigung, da dieser Abt nicht genannt wird. Im Prolog (gedruckt bei Ma i p.lff., beiGoetz, Leipz. SB. 1896, 79, Corp. gloss lat. 1,197ff.) heißt es Cum in nocte hiemali. . .ferme nictitassem . . . ecce phalanga . . . perstrepebat . . . Quaedam igitur celtica . . . femina,quae grammatica dicebatur . . . leva quidem pinacem . . . gestabat etc., der Prolog zu denRepetitiones von a beginnt (Mai p. 42) Ubi. . . talia tandem grammatica depromsissetpaueuloque .. . intercurrente silentio propter assidentes sie est iterato affata poetas. DasVerhältnis zu Paulus bei Goetz, Leipz. SB. 1903, 139f., zu Makrobius und Martian

5. 148, zu Priscian S. 141ff., zu Isidor S. 146ff.

1 Apuleiusp.35 = Prise.ed. Hertz 1,251, oben nicht genannt,

lf.; p.534=Prisc.l,lll,2. ' Vgl. hierzu Gypr. Galli Heptateuchos

Oppius (Opius) p. 279 = Macr. Sat. 3, ed. Peiper p.IV.

18,7 p.216,15.17f. » L eipz. SB.1903,130133.

Arruntius (Aruntius) = Prisc.l,251,13. 9 Vgl. J. Leland, Commentarii descrip-

Petron p. 627 = Fulgent. Serm. ant.46 toribus Britannicis 1,182.

p. 123,13 (Helm). w Die Ansetzung von 1212 würde schon

6 Sohn p. 422 = Prise. 1,270,17ff. dadurch unmöglich, daß Osbern von Hu-

Die eigentlichen Schulschriftsteller sind gutio (um 1200) benutzt wird.