180 Zweiter Abschnitt. Die Artes
reliquias s. Hyrenei martyris transmisit 1 . . . Eodem anno Urbanus papa Turonis synodum. . . celebravit. Ad hanc synodum magister Manegoldus veniens Privilegium a domino apo-stolico accepit . . . in quo decrevit . . . ut nullus . . . ibidem propositus constituatur nisiquem canonici communi consensu instituerint.
Zur Gefangenschaft vgl. Bernoldi Chron. 1099 (MG. SS. 5, 466, 9 Manegoldus vene-rabilis praepositus canonicorum apud Marchbach degentium a Heinrico rege diu in cap-tione detentus est. Zu 1103 vgl. Giesebrecht, Münchn. SB. 1868 II, 315 f. 2 Der Briefim Cod. Udalrici 160 (Jaffe, Bibl. rer, Germ. 5, 286) Magister Gwillelmus . . . omnibusundique ad eum venientibus gratis et causa dei solummodo more magistri Manegoldi beataememoriae devotum ac benignum se praebuit.
Früher unterschied man, besonders auf Giesebrechts Autorität hin (Münchn. SB.1868 II, 297—330) den Lehrer Manegold vom Verfasser der Streitschriften. J. A. Endreshat aber den Beweis fast mit voller Evidenz geführt (Hist. Jahrbuch 25,172 ff.), daßbeide dieselbe Person sind, vgl. die Beistimmung von Holder-Egger, Neues Archiv30, 206 N. 32. Ueber Manegolds Stellung zur Philosophie handelt eingehend J. A. En-dres, Hist.-politische Blätter 127, 391 ff. 486 ff. Zum Leben vgl. C. Mirbt in PRE.12,189. M. T. Stead, Engl. hist. Review 29 (1914) 1—15. Ueberweg, Grundriß d.Gesch. d. Philosophie 11 (1928) 2,190 f. — G. Morin hat Revue Bened. 28, 331—340dem Manegold die dem Beda bisher fälschlich beigelegte Psalmenerklärung (Migne 93,479—1098) zugewiesen (zu den Anführungen aus alten Dichtern vgl. Manitius, WienerSB. 112, 631).
2. AIMERICI ARS LECTORIA
Aimeric ist in Gastinaux geboren und erhielt seine Bildung in Senlis.Er hielt sich später zu St. Felix auf, woher sein Freund, Bischof Ademarvon Angouleme stammte, und es ist möglich, daß er Mönch in St. Maurdes Fosses war. Denn es hat sich von einem Mönch Theulf eine Gedicht-reihe an die Mönche dieses Klosters erhalten, und hier wird Haimericusals Landsmann angeredet, allerdings deutlich als Britanne bezeichnet. Esscheint daß er in der Nähe seiner Heimat blieb, die ins Gebiet der Gharentegehört. Im Jahr 1086 verfaßte er sein Werk De arte lectoria, das aus Poesieund Prosa besteht und dem er ein kurzes Gedicht voranstellte. In einemspäteren Gedicht spricht er kurz über persönliche Verhältnisse und in einemweiteren widmet er dem Freund Ademar sein Werk. Er selbst nennt sichAimericus metricus, und der Zweck seiner Ars lectoria war, die nötigen Vor-schriften über Quantität und Akzentuation der lateinischen Wörter zu geben,damit sie bei den gottesdienstlichen Vorlesungen oder bei anderen öffent-lichen und privaten Reden richtig gebraucht würden. In seinen einleiten-den Bemerkungen verspricht er außerdem noch ein Werk über Metrikschreiben zu wollen, wo er sämtliche Silben der Worte unter verschiedenenRegeln zusammenfassen werde. Als Vorgänger bezeichnet er den Verfassereines Gedichts De primis sillabis, womit er doch wohl Mico von St. Riquiermeint, obwohl ein aus jenem Gedicht angeführter Vers sich dort nicht findet.Dagegen schwört er hoch und teuer, für die Quantität der vorletzten Silbenkeinen Lehrer als sich selbst gehabt zuhaben. Über sechzig Bücher habe er da-zu gelesen und so gebe er nun die Regeln aus dem Gedächtnis, ja er habe nichteinmal die Schreibtafel benutzt und gleich ins reine geschrieben. Das Werkselbst ist ausführlich und gibt in umfassender Weise die Belehrung über dieAussprache des Lateinischen, und zwar auch in mittelalterlichen Weiter-
1 Auch hieraus ergibt sich die Verbin- 2 Vgl. Jaffe. Regesta pontificum Roma-dung Manegolds mit Frankreich. Vielleicht norum N. 5949.gehörte Hugo unter seine früheren Schüler.