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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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170 Erster Abschnitt. Die Theologie und Philosophie

Phrygius 1600000 Männer im troischen Kriege gefallen seien. 1 Für denKleriker aber sei es höchst gefährlich, mit weltlich Gesinnten, besondersmit Frauen zusammenzuwohnen.Während ich mich mit Wilhelm üb er solcheDinge unterhielt und wir in einem Codex von Heiligenleben lasen, ge-rieten wir auf die Geschichte zweier Brüder Victorinus und Severinus 2 ausPicenum." Deren Geschichte wird nun im Verlaufe des ersten Buches er-zählt, besonders wie der Einsiedler Victorin vom Teufel in Mädchengestaltversucht wurde und, nachdem er gefallen war, seine Strafe dafür erhielt;dazwischen werden aber auch andere Fälle von unenthaltsamen Menschenund ihren Strafen gestellt und auch ein Stück des Hymnus von Paulus Dia-konus auf Johannes Baptista angeführt. Am Ende des ersten Buches wendetsich Reiner wieder an Wilhelm und bittet diesen, die Schrift mit der früheren,dem Libellus lacrimarum, zu verbinden, die er vor kurzem fertiggestellthabe; was er aber am Anfange seiner Schrift begonnen habe, werde er imfolgenden (zweiten) Buche weiterführen. Von diesem aber hat sich nur einganz kleines Stück erhalten, so daß entweder die Überlieferung unvollständigist oder Reiner die Schrift nicht mehr vollenden konnte.

Zeugnisse. Zum Adressaten vgl. 1, 3 (Migne 204,184C) Leodii cum esses, o Wilelme,huius saepenumero aliorumque sententias doctorum versabamus und 1, 6 col. 188 B. ZuDares Phrygius vgl. 4 col. 196A ob unius mulierculae infamis raptum etc. Dort auchHör. Ep. 1, 2,14ff. Zur Vita Severini et Victorini vgl. 1, 6 col. 188B occurrit lectio quaememoraret quod fuerint duo jratres Picentina oriundi provincia Victorinus et Severinus.Aus dem Hymnus des Paulus wird angeführt Antra deserti nivei pudoris, PL. l,85f.N. 54 Str. 5 und gleich darauf folgt Hör. Ep. 1, 2, 6470. Schluß des ersten Buchesc. 10 col. 194 G Hoc opusculum De profectu mortis accipe et opusculo adiunge Uli, quodante aliquot dies composui et pro qualitate materiei Lacrimarum praefixi titulum etc. (esfolgt Hör. Ep. 1, 2, 62) . . . Sed quae fueram adorsus in capite libri huius scribere, in sub-sequente libro iam prosequar. Im allgemeinen sei noch gesagt, daß Reiner ein verhält-nismäßig gutes Latein schreibt 3 und daß er sich der Reimprosa in sehr verschiedenemMaße bedient. Ausgabe von Pez, Thes. 4, 3, 249272 = Migne 204,181196.

An Reiner mögen sich nun die Schriftsteller anschließen, die er im erstenBuche von De ineptiis cuiusdam idiotae als zu Lüttich gehörig, abernicht mehr am Leben befindlich aufzählt; bei weitem die meisten ihrerSchriften sind für uns verloren. In dieser hier noch unbesprochenen Schriftsucht Reiner im ersten Buche eine Geschichte der Äbte und hervorragendenMönche seines Klosters mit Hervorhebung der literarisch tätigen zu geben,während er im zweiten Buch über seine eignen Werke ausführlich sprichtund im dritten Buch die Frage erörtert, warum die neun Antiphonen, diemit O beginnen, neun Tage vor Weihnachten zur Vesper gesungen werden,und über die Mysterien handelt, die in zwei dieser Antiphonen enthaltensind. 4 Die Autoren sind folgende.

Lambert (Lantbert), der zweite Abt des Klosters, verfaßte als Mönchin Deutz das Leben des Erzbischofs Heribert von Köln und außerdem einsangbares Gedicht auf ihn. 5

Ludwig der Ältere verfaßte den von Reiner versifizierten Bericht überdie Übertragung der Reliquien des hl. Laurentius von Rom nach Lüttich.

1 Dares Phryg. 44 (ed. Meister p. 52). 4 Diesen Antiphonen hat Reiner auch

2 Die Vita s. Severini et Victorini steht eine eigne Schrift gewidmet, vgl. oben N. fActa SS. Jan. 1, 500. 501. « Vgl. Bd. 2, 364ff. Die Worte Reiners

3 Namentlich zeichnet er sich durch rieh- stammen aus Rupert Chron. s. Laur. Leod.tigen Gebrauch des Konjunktivs aus. 41 (MG. SS. 8, 275, 35ff.).