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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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34 Erster Abschnitt. Die Theologie und Philosophie

16. BONITHO VON SUTRI

Bonitho oder Bonizo ist um das Jahr 1045 geboren und stammte viel-leicht aus Cremona. Er schloß sich, nachdem er Kleriker geworden war,ganz an Hildebrand an und wurde in Rom ein eifriger Verehrer desPapstes, der ihn 1075 oder 1076 zum Bischof von Sutri erhob. Doch imJahre 1082 wurde er von einer feindlichen Partei aus seiner Stadt ver-trieben und von dem königlichen Heere gefangen genommen. Es gelangihm freilich bald, sich zu befreien, und die Großgräfin Mathilde bereiteteihm nun ein Asyl. Vielleicht schon vor dieser Zeit verfaßte er ein WerkParadisus, 1 das aus Sentenzen Augustins besteht und acht Bücher um-faßt; gewidmet ist es dem Abt Johannes mit den Worten Bonizo in jamiliadei minimus Iohanni reverendissimo abbati salutem.

Im Jahre 1085 oder 1086 schrieb er dann das Hauptwerk seines Lebens,den Liber ad amicum, den er der Großgräfin übersendete; doch ist unterdemamicus" wohl eher ein Kleriker als Mathilde zu verstehen. Deramicus" hatte ihm zwei Fragen gestellt, nämlich:Warum wird dieKirche heute bedrängt und nicht befreit ?" und:Ist es für einen Christenerlaubt, für seinen Glauben mit den Waffen zu kämpfen ?" Die erste be-antwortet er mit den Worten ecclesia . . . tum maxime liberalur cumpremitur, tum maxime crescit cum minuitur, und zwar durch einen weit-umfassenden geschichtlichen Abriß, die zweite wird in aller Kürze bejaht(vgl. unten). Im Jahre 1086 wurde er dann von der Partei der Patarenerin Piacenza- er hatte früher mit dem Bischof Dionysius in Streit gelebt,vgl. Gregorii VII Registrum 2, 26 2 zum Bischof der Stadt gewählt,doch von Erzbischof Anselm von Mailand nicht anerkannt. Indes fand erHilfe bei Papst Urban II. und wurde 1088 oder 1089 in die Stadt eingeführt.In diese Zeit (1089) gehört wohl eine Schrift, die sich gegen den SchismatikerHugo 3 richtete, aber verloren ist. Wichtiger aber ist sein Decretum, einkanonistisches Werk, um dessen Abfassung ihn ein Presbyter Gregoriusgebeten hatte. Es besteht aus zehn Büchern, von denen als Titel genanntseien De baptismo, de episcopis, de ordinationibus, de excellentia Romanaeecclesiae, de regibus et iudicibus und de sacramentis. Hier nennt er sowohlseine Schrift gegen Hugo als auch den Liber ad amicum. Endlich widmeteer dem Mönche Walter von Leno im Brixener Sprengel eine kleine SchriftLibellus de sacramentis. Bonitho kam 1090 oder 1091 bei einem Aufstandder kaiserlichen Partei vielleicht ums Leben.

Zeugnisse. Zum Leben vgl. Jaffes Sonderausgabe p. 16; Dümmler, Lib. de-ute 1, 568 ff.; C. Mirbt in Prot. Realencycl. 2 und Publizistik S. 42; Lehmgrübner,Benzo von Alba S. 129151. Bernold, der im Chron. 1082 (MG. SS. 5, 437, 33) dieGefangennahme Bonithos richtig einordnet, hat seinen Tod zu dem Jahre 1089 falschgestellt (p. 449, 23 Bonizo piae memoriae Sutriensis episcopus set inde pro fidelitates. Petri iam dudum expulsus tandem post multas captiones tribulaliones et exilia a Pla-centinis catholicis pro episcopo recipitur sed a scismaticis eiusdem loci effossis oculis trun-catis omnibus pene membris martirio coronatur). Der Paradisus steht im Vindob. 4124

1 Daß er es noch in jüngeren Jahren 2 Jaffe, Bibliotheca rerum Germanica-

schrieb, hat Dümmler, Lib. de lite 1, 629 rum 2,139.

wahrscheinlich gemacht. Es beginnt Ex- 3 Es ist der Kardinal Hugo Candidus.

cerptumsententiarum mirificedoctoris Augu- Zur Datierung s. Mirbt, Publizistik S.44

stini. n. 1.