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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
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10 Einleitung

Muster in ziemlich großer Zahl angehängt hat. 1 Staatsschriften, Fürsten-spiegel und Memorabilien sind zwar den früheren Zeiten keineswegs fremd,aber erst in unsrer Periode treffen wir hier auf größere Werke, die zu Nutzund Frommen einzelner hochgestellter Persönlichkeiten abgefaßt sind oderauch der allgemeinen Beratung dienen sollen. Endlich ist ein Gebiet inner-halb der Artes zu erwähnen, das auf Sueton und Hieronymus zurückgeht,nämlich die Literaturgeschichte. Seit der Notatio Notkers von St. Gallenwar nichts Bedeutendes hierin geleistet worden, der große Aufschwung aber,den die Literatur im 11. Jahrhundert genommen hatte, gab einer ganzenReihe von Gelehrten die Feder in die Hand, um die alten Literaturgeschich-ten fortzusetzen oder neue Werke an deren Stelle zu bringen, oder wenig-stens die literarischen Neuigkeiten auf dem beschränkteren Gebiete des eigenenKlosters zu buchen.

Die verschiedenartigen Richtungen, die die geschichtliche Entwicklungder einzelnen großen Nationen des Abendlandes nahm, hat natürlich auchder Historiographie ihren Stempel aufgedrückt. In Deutschland hatte derKirchenstreit die Reichseinheit gelöst, und der Kampf zwischen Weifen undHohenstaufen sowie dann zwischen Kaisertum und lombardischen Städtenwirkte in gleicher Weise zerstörend: die früher so starke deutsche Königs-macht hatte dadurch die erheblichste Einbuße erlitten, und es war fast zueinem Dauerzustand geworden, daß zwei große Parteien sich um die Vor-macht im Reiche bekriegten. Die Zentralgewalt war wankend geworden undkonnte auch nicht durch zwei so starke Persönlichkeiten wie Friedrich I.und Heinrich VI. gefestigt werden. Die notwendige Folge war die, daß sichdas allgemeine Interesse vom Mittelpunkt immer mehr nach der Peripheriewendet, daß die Darstellung der Reichsgeschichte abnimmt und die Parti-kulargeschichte sich an ihre Stelle setzt. Nur die große Zeit eines Friedrich I.hat noch eine höchst lebendige und wirksame Reichsgeschichte zu ver-zeichnen, aber sonst ist die Zeit- und die Fürstengeschichte 2 an ihre Stellegetreten. Außerdem aber macht sich jetzt die Volksgeschichte bemerkbar:die Ungarn, Polen und Böhmen, in ihrer Bildung ganz von Deutschland ab-hängig, beginnen jetzt ihre eigne Geschichte zu schreiben, und auch in denskandinavischen Ländern fängt der geschichtliche Sinn an sich zu regen.

Sehr stark tritt aber in Deutschland das biographische Moment in der Hi-storiographie hervor. Einerseits ist es die scharf umrissene kirchenpolitischeStellung, die hier die Bischöfe und Äbte als begehrenswerte Objekte fürdie Biographie erscheinen läßt, und es findet sich dabei neben vieler Spreudoch auch manches Weizenkorn, namentlich wenn man vom parteipoli-tischen Standpunkt des Verfassers absehen kann. Auf der andern Seite aberbegünstigte die zunehmende Heiligenverehrung und Wundersucht das An-wachsen der hagiographischen Schriftstellerei, die auch vor Übertrei-bungen und Fälschungen nicht zurückschreckte. Dadurch aber wurde die

1 Da wir uns in diesem Bande auf die nen sind.

Hauptgebiete der Literatur beschränken 2 Die Zunahme bei dieser Gattung er-müssen, so kann nur ganz weniges von den klärt sich besonders aus der ErblichkeitSchriftstellern des Quadriviums zur Dar- der großen Lehen, die in den LehnsstaatenStellung gelangen, zu denen auch die Me- überall durchgedrungen war.diziner und Naturwissenschaftler zu rech-