Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
688
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688 Ka P- IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

ornantia die Rede gewesen, und mit ihnen und den in dervorhergehenden Nummer behandelten substantivischen An-redeforaen ist dasjenige, was die Höflichkeitsspraehe dereuropäischen Völker für den in der Ueberschrift der gegen-wärtigen Nummer namhaft gemachten Gesichtspunkt derErhebung des andern Theils darbietet, im Wesentlichenerschöpft. Die Höflichkeitssprache einiger ostasiatischerVölker fügt noch einen weiteren Beitrag hinzu. »DieJavanen und wohl noch manche andere ihnen verwandteVölker, sowie die Siamesen haben für Körpertheile, Ange-hörige, Geräthe etc. je drei Ausdrücke: einen allgemeinen,einen demüthigen und einen ehrenden, letzterer wohlmeist dem Sanskrit oder Pali entlehnt, und bei denJapanern gibt es für einen Theil der gebräuchlichstenVerben (essen, trinken, kommen, gehen, geben, nehmen,singen u. s. w.) bescheidene und ehrende Synonyma«*).Es dürfte das Aeusserste des Raffinements sein, zu demes die Höflichkeit in der Verwendung oder richtiger derMisshandlung der Sprache für ihre Zwecke je gebrachthat — drei beziehungsweise zwei besondere Sprachen

*) Der ganze Satz im Text ist wörtlich" den Mitlheilungen desHerrn Baron von der Gablentz entlehnt, dem ich, wie ich bereitsfrüher bemerkt habe, für meine Untersuchungen die werthvollsteUnterstützung verdanke. Ein vereinzeltes Seitenstück zu den Höf-lichkeitsverben der Jajoaneri gewahrt unser deutsches Wort geruhen(miltelh. gerüchen, geruochen, von alth. ruocha, ruohha = Ueber-legung, Sorgfalt, Sorge, Berücksichtigung), dessen sich der heutigeSprachgebrauch nur für die EntSchliessungen der Landesherrenbedient, S. 428.