Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
671
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Anredeformen: der Ehrenname. 671

(No. 2), und den gemeinen Mann soll man wenigstens, umihn zu ehren, beim Namen des Vaters nennen*).

Ebenso die modernen Völker. Entweder haben sie ausder Höflichkeitssprache die Nennung des Namens gänzlichverbannt, wie die Franzosen mittelst ihres Monsieur, oder,wo sie ihn nennen, fügen sie noch wie wir im Deutschenden Zusatz: Herr, Frau, Fräulein hinzu. Der blosse Nameohne weitereu Zusatz ist nur für das Verhältniss derVertraulichkeit (bei Verwandten, Freunden, Kindern) undder Abhängigkeit (bei Dienstboten, Tagelöhnern u. s. w.)geblieben: die Höflichkeitssprache hat ihn verpönt, erdocumentirt, dass die Person, gegen die wir ihn gebrauchen,uns entweder mehr, oder dass sie uns weniger gilt, alsdiejenigen, gegen welche wir die Formen der Höflichkeitglauben beobachten zu müssen.

b. Der Ehrenname.Bei allen europäischen Völkern finden wir heutzu-tage gewisse Anredeformen in Gebrauch, welche den

*) Die Anweisung, welche Agamemnon in der Ilias X. 68 demMenelaos gibt, als er ihn ausschickt, die Völker zur Schlacht zuentbieten:

Jeglichen Mann nach Geschlecht mit Vaternamen benennend,Jeglichem Ehr' erweisend, und nicht erhebe Dich vornehm.Ueber den Werth, welchen die Griechen auf die Erwähnung der Ab-stammung legten, s. S. 518 und unten S. 684. In der späteren Zeitscheint hiermit eine Veränderung vorgegangen zu sein. Ich schliessedies aus Plato Lysis p. 204, wo von letzterem als einem Heranwach-senden gesagt wird: »sie nennen ihn nicht bei seinem Namen, son-dern er wird noch nach dem Vater benannt«. Ob der Schluss, denich daraus ziehe, begründet ist, müssen die Philologen enlscheiden.