Die Ethik der Zukunft. 131
Glückes, Deiner Vollkommenheit willen abzufinden, ver-weist sie ihn auf den wahren Grund aller sittlichen An-forderungen: die Gesellschaft, und sie ermöglicht es ihm,sich von der Notwendigkeit und Unentbehrlichkeit der-selben selber zu überzeugen. Sieh zu, ruft sie ihm zu,was aus ihr wird, wenn Du unsittlich handelst — Dud. h. nicht Du Einzelner, sondern Alle, so wie Du —lüge, betrüge, brich die Ehe, verwahrlose Deine Kinder,thue Uebles denen, die Dir Gutes gethan haben, lasse dieArmen verhungern, denke stets nur an Dich, nie an An-dere, und dann sieh zu, was aus der Gesellschaft gewor-den ist. Jede sittliche Norm bildet einen der Grundpfeilerihrer Existenz, rüttle an ihm, und Du bedrohst die Sicher-heit des ganzen Gebäudes.
Die im Bisherigen als Aufgabe der Ethik der Zukunftin Aussicht genommene Kritik und Apologetik desSittlichen hatte das objeetiv Sittliche: die richtige wissen-schaftliche Behandlung der sittlichen Normen zum Gegen-stand. Eine andere für den Endzweck des Sittlichen nochungleich belangreichere und dankbarere Aufgabe eröffnetsich der Ethik in Bezug auf das subjeetiv Sittliche. Hatsie sich zu der Einsicht erhoben, dass der sittliche Wille,der des Einzelnen, wie der des ganzen Volks, ein ge-schichtlich-gesellschaftliches Product ist, hat sie die trei-benden Kräfte, welche die Erziehung des Willens zumSittlichen zu Wege bringen, den Einfluss aller jener
mannigfachen Factoren im Leben der Gesellschaft, welche
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