XXVIII Vorrede.
Wandlungen seiner bisherigen Stellung ein Ende machten,mit in die neue: die eines Generalprokurators am höch-sten Gerichtshofe übernahm, war fleckenlos rein, vorseiner Persönlichkeit verstummte auch die gehässigsteVerdächtigungssucht.
Das Urtheil, das ich hier wiedergegeben habe, wardas ausnahmslos allgemeine: ein Charakter, der sich inallen Lebenslagen bewährt hat, immer sich gleich, wur-zelnd im festen sittlichen Grunde, stets von der reinstenGesinnung beseelt, dem Gemeinen und Unedlen unzu-gänglich, seine ganze Kraft dem Vaterlande, der Wahr-heit und der Wissenschaft widmend, nie an sich denkend,nie über sich die Sache aus den Augen lassend, ohneFalsch, ohne Eitelkeit, ohne einen andern Ehrgeiz, alsden zu wirken in der Welt, nie nach Anerkennung undEhren strebend — die Ehren haben ihn aufgesucht, nichter sie.
Das war der Mann, und man wird es jetzt ver-stehen, wenn ich sagte, Jeder, der ihn kannte, mussteihn lieben. Ihn zu meinen näheren Freunden gezähltzu haben, betrachte ich als eine der werthvollsten Fü-gungen meines ganzen Lebens, seinen frühzeitigen Todals einen der schwersten Schläge, die mich je in meinemFreundeskreise betroffen haben — er hätte mich, nichtich ihn überleben sollen. So lange dieses mein Buchnoch gelesen wird, sollen diese Zeilen dem Leser ver-künden, was mir der Mann, dessen Name das zweiteBlatt ziert, gewesen ist.
Göttingen, am 19. März 1886.
Rudolph von Jhering.