302 Nacli dem Urümiasee. Serderud.
päischer Stadtanzug das denkbar unbequemste für einensolchen Ritt. Unsere Ankunft bei der Karavane war dasZeichen zu einer neuen Plage für ihn; sobald sein Vatersah, dass wir unsere Gewehre selbst trugen, nöthigte er ihn,auch seine verrostete Doppelflinte, die er wohlweislich einemKnechte anvertraut hatte, auf den eigenen Rücken zu nehmenund so sah das unglückliche Opferlamm unbeschreiblich ge-drückt und trübselig aus. Ausser den beiden Armeniernhatte sich uns, mit Rücksicht auf die sichere Gelegenheit,noch allerhand Volk angeschlossen, das zwar nicht geradeuns im Wege war, aber eben so gut hätte fortbleiben können;nur ein einziger von ihnen, ein vergnügter Mekkapilger aufeinem munteren kleinen Esel, machte eine Ausnahme, erwurde uns später ein recht nützlicher Begleiter.
Der Weg bot an sich wenig Abwechselung, doch warendie Blicke auf die zackigen Gipfel der Halbinsel Schahi imUrümiasee recht schön, dessen Wasserspiegel selbst wir nochnicht sehen konnten; auch zeigten sich zu unserer Linkendie schneeigen Gipfel des Sehaendgebirges und in weiterFerne die mächtigen Bergketten von Kurdistan. Schon gegenMittag erreichten wir das grosse Karavansarai von Serderud,einen äusserst leichten und luftigen Bau, mit welchem HerrIsaak Grünfeld aus Galizien Persien beglückt hat; einigeTage später lernten wir diesen Herrn selbst kennen. Es waruns wenig daran gelegen schon zu so früher TagesstundeQuartiere zu beziehen, allein der Tscherwadar war immernoch nicht zu sehen und seine Knechte weigerten sich be-harrlich, gegen ihre Instruction uns weiter zu führen. Wirgaben schliesslich nach und bezogen ein kleines Zimmer ohnejedes Möbel und mit unverglasten Fenstern, durch welcheder Wind munter hindurchpfiff. Am Nachmittag blieb unsMüsse genug, das Karavansarai gründlich zu besichtigen;die Ställe waren geräumig, aber so leicht gebaut, dass manbei jedem Schritt auf dem flachen Dache — der allgemeinenPromenade im Orient — durchzubrechen glaubte. Höchstpittoresk war der Anblick des grossen Hofes am Abend, alser sich mit Kameelen und anderen Karavanen gefüllt hatte;