Daratschitschach. 167
Station Eilar geradezu halsbrechend steinig, dazu kahl undlangweilig; ein kleiner Eegen hatte glücklicherweise die Luftabgekühlt, so dass wir nicht von der Hitze zu leiden hatten.Eine Escorte von Kosaken, welche man uns gänzlich über-flüssiger Weise mitgegeben hatte, und die uns durch denjedesmaligen Aufenthalt bei den Ablösungen recht lästig zuwerden drohte, schickten wir wieder zurück. Auf der erstenStation Eilar war bedeutende Grobheit zur Erlangung vonPferden nothwendig gewesen, auf der zweiten, Suchaja Pon-tanka, bis wohin die Güte des Weges und die Oede derLandschaft ziemlich dieselben geblieben waren, erhielten wirsolche zwar gleich, dafür irrte sich jedoch der Postmeisterbei der Bezahlung um einige Werst zu seinen Gunsten. Bishierher waren wir fortwährend auf der Ostseite des Zenga-thales gestiegen; jetzt verliessen wir nach einigen Werst diegrosse Strasse, bogen links in das Thal ein, überschritten denFluss und erreichten über ein grosses Dorf Karavansaraiunser heutiges Zie! Daratschitschach. Dieser Ort, jetzt voneiner Malakanenkolonie Konstantinowskoje eingenommen, istfür Eriwan, was Borshom für Tiflis ist, eine Sommerfrische;er liegt 6500 Fuss hoch und vom Mai bis September fliehtalles, was fliehen kann, aus Eriwans Hitze und Staub indas freundliche kleine Bergthal, in welchem niedrige Eichen-wälder schon die Nähe der Grenze Grusiens verrathen.
Der General Karmalin, Gouverneur von Eriwan, hatteuns schon zu Tisch erwartet, allein die unvermeidlichen Ver-zögerungen auf den Poststationen hatten unsere Ankunft ver-spätet, und wir konnten ihm erst Abends unsere Aufwartungmachen. Unser Mittagessen erhielten wir, drei Stunden nachgeschehener Bestellung (so wenig war man auf Beisende ein-gerichtet) im „Klub" des Ortes, einem- Institut, das durchsein Tischtuch sattsam characterisirt wurde, und mussten inder Zwischenzeit unseren knurrenden Magen durch einenSpaziergang nach einer schönen Klosterruine oberhalb desDoi'fes beschwichtigen; es war dies eine ziemlich gut erhalteneKirche grusinischen Stiles, in deren Facade die Pietät derAnwohner mehrere hundert Exvotokreuze eingemeisselt hatte.