108 Wild und Jagd im Kaukasus.
heit zu einem Schuss, da mir nur weibliches Wild kam.Ueber die Jagd im Kaukasus sind vielfach, namentlich inRussland, irrige Ansichten verbreitet; ich will im Nachstehen-den nur kurz dasjenige wiedergeben, was ich von dem erstenWaidmann des Landes, Grossfürst Michael, und dem erstenZoologen desselben, Professor Radde- in Tiflis, und aus an-deren zuverlässigen Quellen darüber in Erfahrung gebrachthabe.
Der Kaukasus enthält mit Ausnahme des Löwen ziemlichalle wilden und jagdbaren Thiere Europas und Vorderasiens.Der Tiger, welcher in den persischen Provinzen Mazenderänund Gilän noch ziemlich häufig ist, machte früher Streifzügebis nach Daghestan und Kachetien hinein; jetzt ist er nurin Lenkoran am kaspischen Meere zu finden, wo noch jährlichmehrere Stück erlegt werden, allein auch dort gehören, wieuns der Kreischef versicherte, starke Exemplare zu dengrossen Seltenheiten, ihm selbst war es in vier Jahren nichtgelungen, eine stattliche Haut aufzutreiben. Dieselben Ur-wälder, welche den Tiger beherbergen, sind auch die Hei-math eines unschädlicheren Thieres, des Stachelschweines.Der Leopard kommt vereinzelt in Lenkoran, Karabagh undselbst in Kachetien vor; in Tzarskie-Kalotzy, zwischen Tiflisund Nucha, wurde noch vor wenigen Jahren ein Stück beieiner Treibjagd gesehen. Die Hyäne scheint ebenfalls nichtselten zu sein, da selbst bei Tiflis welche geschossen werden,über den Luchs und die Wildkatze, die wohl schwerlichfehlen, vermochte ich nichts zu erfahreu. Der Bär ist imganzen Lande heimisch, er ist jedoch kleiner als der russischeund soll durchgängig schlecht gefärbt sein, meist grau undgelblich; er scheint ebensowenig wie im nördlichen Russlandvon den Menschen gefürchtet zu werden, während er denHeerden im Gebirge wohl manchmal gefährlich werden mag.Der Wolf ist nicht selten, doch habe ich nicht davon gehört,dass er sich im Winter wie in Russland zu Rudeln zusammen-thut; ein starker Wolf lief in Armenien einmal, als ich gerade kein Gewehr bei mir hatte, kaum zehn Schritt vor mirüber den Weg, ohne sich im Geringsten um mich zu küm-mern. Fuchs und Schakal sind häufig, und letzterer nament-