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18 H.vonSybel: Gedächtnifsrede auf Leopold von Ranke.
körperlichen Daseins eintrat, und die irdischen Dinge keinen Zugang mehrin sein Bewufstsein fanden. Die selbstgewählte Devise seines Adelswap-pens, labor ipse voluptas, ist der Inhalt seines Lebens geblieben. Wie einsiegender Kämpfer starb am 23. Mai 1886 dieser Held des geistigen Schaf-fens, auf dem Felde der Arbeit, auf dem Felde der Ehre. Er hatte alleGegner, Nebenbuhler und Kritiker überlebt; er hatte gesehn, wie derEinfiufs seiner Schriften die ganze gebildete Welt durchdrang, und seineSchüler und deren Schüler den geschichtlichen Unterricht fast in ganzDeutschland beherrschten.^ Die deutschen Souveräne überhäuften ihn mitHuld und Ehrenbezeugungen; alle Akademien Europas wetteiferten, ihmihre Diplome zu übersenden; die litterarische Kritik brachte jedem seinerWerke ausnahmslose Verehrung entgegen, und auch der Beifall und dieTheilnahme des grofsen Publicums war in stetem Wachsen begriffen. Erhatte eine Stellung gewonnen, wie aufser Alexander von Humboldtkein anderer Gelehrter unseres Jahrhunderts. Und wer wollte bezweifeln,dafs sie wohl verdient war, nach dem colossalen Umfang seiner Forschung,der jugendlichen Meisterschaft seines künstlerischen Talents, dem harmoni-schen Zusammenwirken aller seiner Geisteskräfte in den männlichen Jahren.Und auch die Entwicklung seiner letzten Periode war eine völlig naturge-mäfse. Vor eilf Jahren schrieb er in sein Tagebuch: „Der alternde Körperverliert an sinnlicher Reactionsfähigkeit, die Seele wird auf sich selbst ange-wiesen." Gewifs, so ist es. Dem Auge des Greises verblafst die Schön-heit der äufseren Erscheinungen; er ist gedrängt, den unvergänglichenGedanken nachzuforschen, welche der Kern des echten Lebens sind.Hier erkennt er die Fülle, die Tiefe und die Schranken des menschlichenStrebens; die Weisheit schenkt ihm Hoffnung und Resignation; diese lehrtihn mildes Urtheil nach allen Seiten, jene erquickt ihn mit der Aussichtauf eine fruchtbare Zukunft des Menschengeschlechts. Glücklich, wemdie geistige Schöpferkraft beschieden ist, auch auf dieser Stufe der Be-trachtung Leben athmende und Leben ausstrahlende Werke den Nach-kommen zu überliefern: er hat gelebt für alle Zeiten.
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