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Gedaechtnisrede auf Leopold von Ranke
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Gediichtnifsrede auf Leopold von Ranke. 15

Feder eine Reihe ganz vortrefflicher geschichtlicher Darstellungen Übel-Gegenstände des Occidents und Orients aus alter und neuer Zeit, sowiegedankenreiche Beurtheilungen der Lehre der Volkssouveränität brachte,aber in keiner Weise zu kräftiger politischer Einwirkung geeigenschaftetwar, und nur die Wirkung hatte, dafs er vor der gesammten liberalenWelt als serviler Anhänger des Alten verklagt wurde. Nun sollte erauch als Historiker zu Falle gebracht werden, und zahlreiche Stimmenstellten ihm als überlegenen Rivalen den alten Schlosser entgegen,dessen damals erscheinende Geschichte des 18. Jahrhunderts, trotz un-genügender Forschung, enger Auffassung und holpriger Darstellung, einengrofsen Erfolg aus dem einfachen Grunde errang, weil das Buch die mifs-vergnügten Stimmungen des deutschen Bürgerthums in angesammelterVerdichtung wiederspiegelte, und demnach als ein strenges Sittengerichtüber die Schlechtigkeit aller Regierungen mit Jubel gefeiert wurde. Heuteist es kaum zu verstehn, wie es möglich war, Ranke mit Schlosserüberhaupt nur in Vergleich zu setzen. Ranke hat sich niemals aufeinen Streit darüber eingelassen, 1836 seine Zeitschrift abgeschlossen undsich wieder zu seinem eigenen Gebiete, zur Vollendung seiner deutschenGeschichte zurückgewandt. Seine politische Gesinnung blieb unverändert,und als 1848 die revolutionären Stürme auch über Preufsen und Deutsch-land hereinbrachen, fand ich ihn tief erschüttert und gebeugt. Die Er-eignisse gingen dann ihren Gang; er konnte sich nach einigen Jahrengetrosten Muthes wieder aufrichten. Aber der erlittene Eindruck hattedoch nachhaltige Wirkung gehabt. Bald nachher trat er in das 60. Le-bensjahr; der dritte Abschnitt seines reichen Wirkens begann, nach Ju-gend und Mannesreife das höhere Alter.

Es war, wie ein halbes Jahrhundert früher bei Goethe, ein all-mählicher Übergang, der sich hier vollzog, keine Abnahme der geistigenKraft, aber eine leise Abwandlung ihrer Richtung. Wenn in den Ber-liner Mannesjahren sich die naive Jugendlust an der bunten Welt deräufseren Vorgänge mit dem Drange zur Erkenntnifs der in denselbenwirkenden Ideen harmonisch verschmolzen hatte, so gewann jetzt dasInteresse für diesen idealen Kern der Dinge ein immer wachsendes Über-gewicht. Der Reiz der individuellen Erscheinung trat zurück vor demZuge der weltgeschichtlichen Gesammtentwicklung. Nicht der Mensch