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Gedaechtnisrede auf Leopold von Ranke
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Gedächtnifsrede auf Leopold von Ranke. 9

binationen weltgeschichtlicher Zusammenhänge, wie sie der politischenoder philosophischen Erwägung wahrnehmbar werden, ist bei ihm nochkeine Rede.

Aber es war dafür gesorgt, dafs sich ihm bald ein weiterer Hori-zont eröffnete. Der damalige Referent für Universitätssachen, JohannesSchulze, pflegte gerne zu erzählen: den Ranke habe ich entdeckt, diesenStern habe ich in die Bahnen unserer Universität gezogen. Am il]3j März1825 wurde Ranke zum aufserordentlichen Professor der Geschichte inBerlin ernannt; er wurde dann 1832 Mitglied unserer Akademie und er-hielt am 3. December 1833 die ordentliche Professur.

Dieser Umzug ergab für den Bildungsgang Ranke's eine höchstbedeutende Wendung. Aus der entlegenen Provinzialstadt, wo er schwer-lich andere Anregung empfangen hat als aus den von der Berliner Bi-bliothek entliehenen Büchern, trat er plötzlich in die geistigen Strö-mungen einer grofsen Residenz und einer rastlos schaffenden Universität,in die Mittelpunkte also eines alle Wissenschaften und das gesammtedeutsche Geistesleben umfassenden litterarischen Verkehrs. Für die Be-völkerung schlummerte damals die Politik, obgleich in den Arbeitsräumender Ministerien sich die grofsen Organisationen der preussischen Staats-verwaltung vollzogen; jede öffentliche Meinung und Verhandlung wargründlich zur Ruhe gebracht; mit wie viel Recht oder Unrecht, brauchenwir hier nicht zu untersuchen; für uns kommt glücklicherweise nur einegute Seite der Lage in Betracht. In dieser Zeit politischer Stille fand dieWissenschaft ungestörte Mufse zur Sammlung und Vertiefung, und nichtoft hat eine Stadt eine solche Menge bahnbrechender Geister in ihrenMauern vereinigt, wie das damalige Berlin. Es waren die Jahre, in wel-chen auf unserem märkischen Boden Hegel die Philosophie, Schleier-macher die Theologie reformirten, Wilhelm von Humboldt seinetiefsinnigsten Untersuchungen erscheinen liefs, Savigny und Eichhorndie Rechtswissenschaft auf neue Grundlagen stellten, Böckh die Philolo-gie zu einem Zweige der Geschichte umgestaltete, Bopp die vergleichendeSprachwissenschaft, Ritter die moderne Geographie in das Leben rief.Wunderbar wäre es gewesen, wenn inmitten dieser Fülle wissenschaft-lichen Schaffens ein so allseitig empfänglicher Geist wie jener Ranke'sunberührt geblieben wäre. Es war immer noch derselbe Baum, aber inGedächtnifsreden 1886. I. 2