Die Hugenotten-Kirche in Frankfurt a. d. 0.*)
Seitdem Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg zurReformirten Kirche trat (1613), bildeten in allen grösserenStädten des Landes seine „Hof bedienten", d. h. Beamten eineReformirte Gemeinde. Doch hatten diese Reformirten auch inFrankfurt a. d. Oder lange Zeit keinen Tempel. Ihr Gesuchum einen solchen konnte während des dreissigjährigen Kriegeskein Gehör finden. Da nun aber die Nicolai-Kirche wüstestand, erneuerten die Reformirten nach Abschluss des Friedensihre Bitte beim Landesvater. Der Magistrat und die lutherischeGeistlichkeit protestirten weiter. Alle Gründe der Reformirtenverschlugen nichts. Da rückte am 13. Juli 1656 der Kom-missar des Reformirten Landesherrn mit 5 CompagnieenSoldaten von Küstrin in Frankfurt ein, erbrach die unbenutzteNicolai-Kirche mit Gewalt und übergab sie auf FriedrichWilhelm's Befehl seinen Reformirten Glaubensgenossen. Umdas wüste Gotteshaus wieder in brauchbaren Stand zu setzen,schenkte der Kurfürst 2000 Thlr. obenein. Und diese wandteman so gut an, dass schon 1657 dort reformirter Gottesdienstgehalten wurde.
Dennoch führten die Reformirten noch zur Zeit desWiderrufs des Edikts von Nantes nur ein Schattenleben inder lutherischen Stadt. In seiner Stand- und Weiherede von1694 vergleicht Professor Beckmann jene Zeit mit dem3ttjährigen Hinsiechen des Kranken am Teich Bethesda, weilNiemand sich anschickte, ihm in das heilende Quellwasserhinunter zu helfen, bis der Heiland kam, durch den er genas.„Es waren", sagt Beckmann, „damals kümmerliche Zeiten,
*) S. Zehnt V. Heft 7. 8, 9 und Zehnt VI. 5, 6, 7.