§ 75. Reichsheerweaen. 919
Reichsdeputation, von dem Kaiser mit dem gesamten Reichstage gefälltwerden. Seit der Ächtung des Kurfürsten von Baiern (1706) ist die Reichsachtnur noch zweimal (1708/9) verhängt worden.
Durch die Einsetzung der RKG. und die völlig neue Regelung desStrafverfahrens durch die HGO. Karls V verloren die westfälischen Ge-richte den letzten Boden, den sie noch im Reiche hatten 29 . Als Landes-gerichte ohne größere Bedeutung haben sie sich noch längere Zeit, in ge-wissen Resten bis in das 19. Jh. erhalten. Auch die kaiserlichen Land-gerichte 30 in Süddeutschland waren ganz bedeutungslos geworden. Zuihrer von dem westfälischen Frieden angeregten reichsgesetzlichen Auf-hebung ist es nicht mehr gekommen.
§ 75. Das Reichsheerwesen.
Vgl. § 78 Abschn. 6. — Dahlmann-Waitz 8 Nr. 8848ff. 10307; Anz. Schweiz.0. 1916, 200ff. Beck Artikelbriefe f. d. d. Fußvolk bis 1519. 1908; Spießrechts-ordnung' 1542 (ArchKulturg. 6, 28ff.). Corpus jnr. milit. 1632-1724 (ArchMilitR.1916). v. Bonin Grundzüge der Rechtsverf. in den deutschen Heeren zu Beginnder Neuzeit 1904 (vgl. van Calker, ZRG. 38, 358); Entw. d. d. Kriegsgerichts-wesens 1912; Artikelsbrief f. d. Beichsheer 1532 (HistVjschr. 1911, 62). Eichhorn3, 315ff. 4, 300ff. 546. Erben Urspr. u. Entw. der deutsch. Kriegsartikel 1901,MJÖG., Erg. 6, 473ff. Betrachtungen zur ital. Kriegstätigkeit der Schweizer,HistZ. 124(1921) lff. Erdmannsdörffer (S. 857) 1, 656ff. Fehr Vom Lehns-heer zum Söldnerheer, ZBG. 49, 455ff.; BG. 218ff. Fester Die armierten Ständeund die Beichskriegsverfassung 1681—97, Straßb. Diss. 18S6. Gothein Krieg u.Wirtschaft, Heidelb. Bektoratsrede 1914. Jahns Zur G. der Kriegsverfassung d.deutsch. Eeiches, Preuß. Jahrb. 39, lff. 113ff. 443ff. Neil Die Landsknechte1914 (HistStud. 123). Pütter Historische Entwicklung 2, 283ff. 293ff. 3, 98ff.D. Schäfer Zur G. d. allg. Wehrpflicht 1917 (BSB.). A. Schulte Markgraf LudwigWilhelm von Baden 1, 40ff. 155ff. 256f. 286. 335ff. 348f. 366ff. 520ff. SchulzenCorpus iuris militaris 2 1893. TJknann (S. 857) 2, 403ff. Weigel D. Kriegsverf. d.alten D. Reiches von der Wormser Matrikel bis zur Auflösung, Erlanger Diss. 1912.
Zur Einführung eines stehenden Heeres hat es das Reich nie gebracht;die nach dem 30jährigen Kriege wiederholt gestellten Anträge auf Ein-führung eines „miles perpetuus" waren erfolglos. Erst angesichts eines be-vorstehenden oder bereits ausgebrochenen Krieges wurde das von Reichswegen aufzustellende Heer zwischen Kaiser und Reichstag vereinbart.Unter Maximilian I hielt man noch an den zuerst im Hussitenkrieg (S. 565)gemachten Versuchen der Aufstellung eines Reichssöldnerheeres mit Hilfeeiner direkten Reichssteuer, des gemeinen Pfennigs, fest 1 . Seit Karl V
29 Vgl. Eichhorn 3, 222. Wigand Wetzlarsche Beiträge 1, lff.; Denk-würdigkeiten 103 ff. Schon die vom Wormser Beichstag von 1495 beschlosseneReformation (N. Samml. 2, 18f.) trat den Femgerichten entschieden entgegen.
30 Vgl. S. 623f. Dazu Glitsch u. K. O. Müller Rottw. HofGO. 1435, ZRG.54, 281 ff.
1 Vgl. Ulmann Maximilian 1, 320ff. 390ff. 847 ff., N. Samml. 2,14ff. Zeumer 2«r. 176. Ein interessanter gesetzgeberischer Versuch war der von der Regiments-ordnung von 1500 §§ 24ff. (Zeumer 2 Nr. 177) vorgeschriebene 400. Mann, offenbar«ne Art Aushebung.
R-SchrSder-v. KlinBberg, Deutsche Hechtsgeschichte. 7. Aufl. 59