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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
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800 Mittelalter.

fides facta) das Feld. Bei Pfandbestellung begnügte man sich meistens mitder bloßen Sachhaftung, bei Bürgenstellung mit der Haftung des Bürgen 114 .Sollte der Schuldner persönlich haften, so mußte er dem Gläubiger 115ge-loben" (loben), Handtreue (hanltriuwe)tun" odergeben", d. h. ein for-melles Treugelöbnis (gelübe, gelübede, gelovede, vastinge) ablegen, durch daser sich zum Selbstbürgen machte, seine Hand und seine Treue verpfändete 116 .Das Treugelöbnis erfolgte auch im Mittelalter mit Hand und Mund, und zwarbei den Sachsen vielfach noch in alter Weise mit Finger und Zunge 117 , beiden übrigen Stämmen unter Geben und Nehmen der Wette, häufig auchstatt der früheren Formen mit Handschlag oder Eid 118 . Die mündliche Er-klärung bestand in bestimmt bemessenen Worten, wahrscheinlich nach Artder römischen Stipulation in Frage und Antwort. Die Angabe eines ma-teriellen Schuldgrundes war für die Verbindlichkeit des Gelöbnisses nichterforderlich 119 .

Seit Ende des 13. Jh. machten sich hin und wieder, begünstigt durchdie kanonistischen Doktrinen, Bestrebungen bemerkbar, den Formalismusdes Gelübdes zu beseitigen und sich an formlosen Willenserklärungen ge-nügen zu lassen 120 . Durchgedrungen sind diese Bestrebungen damals nochnicht, aber sie haben die Theorie der formlosen Verträge wenigstens vor-bereitet. Als Bestärkungsmittel diente es, wenn dem Gläubiger dieBefugnis eingeräumt wurde, den wortbrüchigen Gegner durch Schelm-

114 Vgl. S. 794ff. Puntschart (S. 63) 174f. 438f.

115 geltcere, sclmldencere, schuldigere, debitor, creditor konnte sowohl den Gläu-biger wie den Schuldner bezeichnen. Vgl. Lexer Mhd. WB. 1, 826. 2, 812. Egger(S. 316) 66.

116 Vgl. S. 318. Puntschart (S. 63) 150ff. 159. 164. 169ff. 180ff. 185.197. 419ff. 428ff. 493; Treuklausel u. Handtreue im altdeutsch. Gelöbnisrecht,ZRG. 39, 165ff. Loersch-Schröder-Perels Nr. 181. Goldmann, ZRG. 52,187. v. Schwerin, Die Treuklausel im Treugelöbnis, ZRG. 38, 323ff., unter-scheidet zwischen Treugelöbnis und einfachem Gelöbnis ohne Einsatz der Treue.Der Bruch eines Gelöbnisses zog aber stets die Strafe der Ehr- und Rechtlosigkeitnach sich, der Treulose war fortan auch lovelos. v. Gierke Priv.-R. 3, 328f.; Schuld214. R. Meli Steir. Privaturk. 1911 S. 108f. sieht im Siegel das Zeichen des heimVertragsabschluß abgelegten Treugelöbnisses.

117 Vgl. Grimm, RA. 4 I 190. 194. II 147. Puntschart 342ff. 357ff.

118 Vgl. Puntschart 313ff. 348. 351. 354ff. 362. Über die Handgebärdenbeim-Gelübde vgl. §11 n. 4. Siegel Handschlag u. Eid 1894. Handschlag u.Arrha sind aus dem deutschen Recht ins jüdische entlehnt worden. Vgl. Fehr,ZRG. 52, 314ff. Handschlag auch im Baugewerbe verbreitet. Vgl. Rothen-bücher (n. 109) 36f.

118 Vgl. Ssp. III 41 § 4. Richtst. Landr. 6. 41 § 1. Magd.-Bresl. syst. Sch.-K.III 2 c. 133. Siehe auch Loersch-Schröder-Perels Nr. 255.

120 Vgl. Bremisches ÜB. 1 Nr. 512 (1296) Erklärung der Bürgen: Berchardwmile3 una nobiscum se verbis veredicis obligavit, sed fidem non dedit, qviadicebat, se abiurasse, quod fide data promitterre non deberet. Die frühereAnnahme, daß schon die Rechtsbücher (Ssp. I 7. Dsp. 15. Schwsp. L. 11. Kl. Kaiser-recht 2, 39) von der Formlosigkeit des Gelübdes ausgegangen seien, ist heute ab-getan. Vgl. Heusler 2, 245f. Puntschart 357-75. v. Gierke Schuld 205f.209. 222.