§ 61. Privatrecht. 3. Schuldverhältnisse. 799
hauptet 110 , auch die Vorliebe für Bar vertrage tritt noch, im Mittelalterentschieden hervor 111 . Aber mehr und mehr machte sich bei zweiseitigen 111 »Verträgen die Auffassung geltend, daß die Annahme der Vorleistung zurGegenleistung verpflichte. So kam man zur Anerkennung der Real-verträge, auch beim Kauf 112 , selbst für den Fall, daß die Vorleistungeine materiell minderwertige, nur symbolische Leistung gewesen war: dasLohngeld (S. 325f.), auch in der Form des Gottespfennigs, Weinkaufes 112 »oder Leitkaufes, wurde zu einem die Haftung des Schuldners begründen-den Handgeld 113 . Im übrigen behauptete der alte Formalvertrag (treuwa,
1800 als Abschrift eines Hamburger Manuskr. nachweist, ferner Pereis, ZRG. 46,697ff.; Silberschmidt, ZHR. 75 [1914], 201ff.).
no Vgl. Loersch-Schröder-Perels Nr. 103. Nach Ssp. I 6 §2 hafteteder Erbe für nene scult, wände der he wederstadinge untving, also für keine unentgelt-lichen Verbindlichkeiten des Erblassers.
in So selbst beim Kaufe. Vgl. Stobbe Vertragsrecht 277. Conze (n. 109)51f. 67ff. Beyerle Salmannenrecht (n. 7) 121 n. Der Spielvertrag galt durch-weg als Barvertrag und erzeugte im allgemeinen (Ausnahmen bei Wilda Spiel 146)keine klagbare Haftung, wenn auch der Gewinner zu sofortiger Pfändung berech-tigt war. Vgl. Ssp. I 6 § 2. I 12. III 6 § 2. Schwsp. L. 259. Magdeb.-Görlitz.E. v. 1304 Art. 107. Wilda Lehre vom Spiel, ZDR. 2, 144ff. Schuster Spiel(1878) 16ff. 40f. 53f. 56f. Brück Spiel u. Wette, Greifsw. Diss. 1868 S. 27ff.v. Gierke Priv.-R. 3, 806ff. Planitz (§61 n. 18) 342ff. Meibom Pfandrecht221. Das Erfordernis des baren Einsetzens beim Spiel führte zu dem Gewerbedes phantner (pfleger, schulderer), der das Spiel leitete und beaufsichtigte, den Spielen-den die nötigen Vorschüsse machte oder als Bürge für sie einstand, dafür aber auchdas Pfändungsrecht hatte und für sich eine Provision (phantreht) erheben durfte.Wegen des dabei erzielten Wuchers wurde das Geschäft des Pfandners in Nieder-sachsen joden genannt. Vgl. Schuster Spiel 58ff. M. Haupt Erec. S. 339ff.;ZDA. 11, 53ff. Simplicissimus 2 cap. 20 (Ausg. v. Bobertag 1, 159). Auch dieWette wurde überwiegend als Barvertrag behandelt, indem der Wettbetrag ent-weder an den Gegner entrichtet oder einem Dritten zur Aufbewahrung übergebenwurde. Vgl. Wilda Wetten, ZDR. 8, 220ff. Brück Spiel u. Wette 47f. PauliLüb. Zust. 2, 72ff. Über den Pfandner bei der Wette vgl. Schuster Spiel'58.Über Klagbarkeit der Wette vgl. Lübeck. Stadtr. 4, 46 (Hach S. 570). Loersch-Schröder-Perels Nr. 304. Klaglosigkeit ebd. Nr. 282.
Ula Über einseitige Versprechen vgl. v. Gierke Priv.-R. 3, 310ff. Hübner 8451 ff.
112 Vgl. Heusler 2, 255. 257. Hübner 3 442ff. Stobbe Reuerecht 241f.Conze (n. 109) 26ff. 72ff. Über die Verbindung eines Realvertrages mit demTreugelöbnis vgl. Puntschart 477f. 510f.
U2a Vgl. Hübner 3 446.
113 Vgl. v. Amira Grundr. 3 226. Heusler 2, 255ff. v. Gierke Schuld230»'. Priv.-R. 3, 336ff. Stobbe Vertragsr. 50ff.; Reuerecht 226f. 231ff. SiegelVersprechen 29ff. Huber G. d. Schweiz. Priv.-R. 833f. Sohm Eheschi. 29f. 54.Loersch-Schröder-Perels Nr. 267. Conze (n. 109) 29ff. 36ff. Grimm, RA.«1, 263f. Noordewier Regtsoudheden 52f. Dreyer De differentia iuris RomanietGermanici in arrhis emptionum 1747. Rothenbücher (n. 109) 31ff. 94. Einenalteren Standpunkt vertritt Ssp. I 9 §§1 — 3, indem eine vom Käufer geleisteteAbschlagszahlung (bekostegen, sin gut dar up geven) als Lohngeld zu dem vom Ver-käufer abgelegten Treugelöbnis hinzukommen muß, um diesen haftbar zu machen;a.M. v. Gierke Schuld 230"'. Über Leitkauf im Polnischen vgl. Dabkowski,Archivum naukowe I 3 (1906).