748 Mittelalter.
zahlreicher westfälischer Städte 53 , unter denen Ruthen, Attendorn undLippstadt wieder Oberhofstellung in engeren Kreisen einnahmen 54 .
Eine durchaus selbständige Gruppe bildeten die im 13. Jh. auf Grund-lage des jütischen Low entstandenen Stadtrechte von Schleswig, Flens-burg, Apenrade und Hadersleben 55 , die übrigens in ihrem Familien-güterrecht eine gewisse Verwandtschaft mit Hamburg zeigen.
Außerordentliche Fortschritte auf dem Gebiet der Quellenangabensind in neuester Zeit seitens der Niederländer gemacht worden. Es ist diesum so dankenswerter, als die eigentümliche Verbindung salischer, chama-vischer und friesischer Elemente den holländischen Rechtsquellen ein be-sonderes Interesse verleiht. Dem alten Bataverlande gehört das Stadt-recht von Nim wegen aus dem 15. Jh. an 59 . Zahlreich sind die Stadt-rechte aus dem chamavischen Gebiet (Gelderland, Overijssel. Drente) 57 .
63 Soester Eechtsbelehrungen bei Wigand, Westf. Arch. 7, 1 S. 57ff. Dasälteste Soester Stadtrecht wurde um die Mitte des 12. Jh. (vor dem Privileg derStadt Medebach von 1165, bei Keutgen 145ff.) in lateinischer Sprache aufgezeichnetund im Lauf des 13. Jh. durch Zusätze vermehrt. Eine neue Redaktion entstandEnde des 13. Jh., eine niederdeutsche Bearbeitung (die alte Schrae) aus dem 14, Jh.wurde bis zum 15. Jh. durch Zusätze vermehrt. Vgl. Ilgen, Deutsche Städte-ohroniken 24 pg. 121ff. Daselbst pg. 129ff. eine Ausgabe der beiden lateinischenStadtrechte, das älteste auch bei Keutgen S. 139ff. Eine kritische Ausgabe erfolgtin den Westf. Stadtrechten (S. 739).
64 Wie sich Dortmunds Oberhofstellung auch auf rheinfränkische Städte er-streckte, so griff Soest in das hessische Gebiet über, indem Siegen, obwohl eineStadt mit hessischer Bevölkerung, Soester Recht hatte. Vgl. Achenbach Deveteri civium Siegenensium statuto, Bonn. Diss. 1855. Inhaltlich stimmte dasStadtrecht von Münster mit dem von Soest überein, während Minden, das inSoest zu Haupt gegangen sein soll, mit Hannover, Hildesheim, Hameln und Mündenin betreff des ehelichen Güterrechts eine eigene Gruppe bildete. Vgl. DöbnerStädteprivilegien Otto des Kindes 1882. Hannoversches Stadtrecht hg. J. v. Groteu. Brönnenberg 1844. Die Stadtrechtsquellen von Lippstadt u. Hamm heraus-gegeben von Overmann 1901 u. 03. Westf. Stadtrechte 1, 1 — 2 (vgl. Wermjng-hoff ZRG. 39, 307).
55 Thorsen Die dem jütischen Low verwandten Stadtrechte 1855. Vgl. FalckSchlesw.-holst. Privatrecht 1, 375ff. Hasse' Das schleswigsche Stadtrecht 1880.A. Sach Ursprung der Stadt Hadersleben u. d. Stadtrecht v. 1295 (1892).
58 Ausgabe: von Krom und Pols 's Gravenhage 1894.
57 Wir heben hervor: Zutphen (Ausg. Pijnacker-Hordijk 1881), bei demzahlreiche Städte Gelderns zu Haupt gingen, ferner die Zutphen-EmmericherRechtsmitteilungen (ZRG. 10, 189ff. 222f.), Zwolle (Ausg. Dozy, GroningerDiss. 1867. A. Telting, Overijsselsche stad-, dijk- en markeregten 1, 12. 1897).Kampen (ebd. 1, 1. 1875), Goor (ebd. 1, 3. 1883), Hasselt (ebd. 1, 4. 1883).Vollenhove (Eockema Andreae, ebd. 1, 5. 6. 1885), Harderwijk (Berns 1886).Arnheim (Eeith u. Boer, Versl. en Mededeel. Nr. 18. 1891), Coevorden (Gra-tama, ebd.). Die overijsselschen Stadtrechte gehen meist zurück auf Deventerund dieses auf Utrecht. Vgl. A.Telting De overijsselsche stadrechtfamilie (Verslagenen Mededeelingen 22); Het oud friesche stadrecht 1882; De verleening der stad-rechten in Nederland 12—15 e eeuw en hunne verbreiding 1904 (Prov. UtrechtscheGenootschap v. K. en W.). Gegen die Bezeichnimg Drenthes als chamavisch vgl.S. Gratama, Bijdr. 1883 S. 5. Vgl. Foekema Andreae (S. 707).