Druckschrift 
Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
Entstehung
Seite
667
Einzelbild herunterladen
 

§ 50. Territorien. 6. Landessteuern und Landstände. 667

frei war. Im einzelnen mögen die unter diesen und anderen Bezeichnungenauftretenden Abgaben sehr verschiedener Entstehung sein, aber daß ihrUrsprung wenigstens teilweise in einer Heersteuer zu suchen sei, die seitder Einführung der Lehnmiliz von den nichtritterlichen Klassen für ihreBefreiung von der Reichsheerfahrt entrichtet wurde, läßt sich nicht be-zweifeln". Anders stand es mit dem „Landrecht" (S. 206. 462. 5791), dasseinen Ursprung in dem königlichen, später landesherrlichen Bodenregalhatte, und ursprünglich wohl auch mit dem Marchfutter, das zunächstein von den Gerichtshaltern erhobenes Futtergeld gewesen zu sein scheint 100 .In der Gerichtsherrlichkeit ist auch die Entstehung der ältesten Steuer,der Bede, zu suchen, die gleich dem alten Grafenschatz nur die nicht-ritterlichen Kreise belastete, übrigens auch den geistlichen Grundbesitzfrei ließ und außerdem vielfachen Einzelbefreiungen unterlag 101 . Sie war

meklenb. Landstände 1856. Herden Entw. d, Landstände in Braunschw.-Lüneb.,Diss. Jena 1888. Heusler Stadtverf. 163ff. Jäger G. der landst. Verf. Tirols1881—82. Jocksch-Poppe Grundlagen d. kommunalständ. Verf. der Ober- u.Niederlausitz, Niederlaus. Mitteil. 9. Jürgens Die Stände im Fürstent. Lüneburg,Z. f. Niedersachs. 1889 S. 105ff. Kluckhohn Die Ministerialität in Südostdeutsch-land vom 10. bis 13. Jh. 1910 S. 101. Kuhns a. a. 0. 2, 334ff. Leveo Die kraini-schen Landhandfesten, MJÖG. 19, 244ff. v. Luschin Anf. der Landstände, Hist.Z. 18, 421. Luther Entw. d. landst. Verf. i. d. wettin. Landen, Diss. Leipz. 1895.Meli Abh. z. G. d. Landstände d. Erzb. Salzburg 1. 1905 (Mitt. Salzb. Landes-kunde 43-45; vgl. v. Wretschko, ZRG. 38, 363ff.). F. W. Müller, Die elsäß.Landstände 1907 (vgl. v. Below ZGO. 63, 191). Eachfahl Der dualist. Stände-staat i. Deutschi., JB. f. Gesetzgeb. 26, 1063ff. (Rockinger) bei v. LerchenfeldDie altbair. landst. Freibriefe, Ein!., 1853. Schiefer Der Repräsentantencharakterder deutsch. Landstände, Diss. Bonn 1913 (Westd. Z. 32, 261; vgl. v. Below, Hist.Z. 1915, 357ff.). R. Schulze Die Landstände d. Grafsch. Mark (Beyerle Beitr. 1,4; vgl. Heymann, ZRG. 43, 490). Schwarzweber Die Landstände Vorderöster-reichs im 15. Jh. 1908 (Forsch, u. Mitteil. z. G. Tirols u. Vorarlbergs V; vgl. Fehr,ZRG. 43, 38). Schum Stellung d. Kapitels usw. der Magdeb. Erzbischöfe (Hist.Aufs. f. Waitz 389ff.). Tezner Technik u. Geist d. ständisch-monarchischen Staats-rechts 1901. Werminghoff Der deutsche Orden u. die Stände in Preußen 1912(Hans. G.-Verein, Pfingstblätter 8). Unger G. d. deutsch. Landstände 1844. Wohl-will Anfänge d. landst. Verf. im Bist. Lüttich 1867. v. Wretschko Marschall-amt (S. 639) 145 ff.

99 Vgl. S. 486ff. 560. 589f. Die Ministerialen der Passauer Kirche waren.nach dem Dienstmannenrecht von Ilzstadt (1256) von der Heerfahrt befreiet, hattenaber auch chunigsteura zu zahlen. Auch die Haxissteuer der Frieseri mag ursprünglichein Entgelt für ihre Befreiung von der Heerfahrt gewesen sein. Vgl. S. 562 n. 17.

100 Vgl. S. 488f. Dopsch Urbare I Einl. pg. 160f. 166f.; MJÖG. 18, 239.Ob die Bezeichnung des Marchfutters als gerbane geld in einer Urk. v. 1331 eineEntstellung für herbangeld ist (Beyerle a. a. 0. 363. 386) mag dahingestelltbleiben. Synonym mit Marchfutter scheint herzogkorn und zipkorn zu sein.

101 ^' ^ - 589f. Neben der mhd. Form bete hat die niederdeutsche auch inSüddeutsehland überwiegend das Feld behauptet. Die in unsem früheren Auf-lagen mit Eichhorn, Riezler und Waitz vertretene Ableitung der Bede vonder Heersteuer ist aufzugeben (vgl. v. Below, v. Wretschko, Zeumer), dochhat die Bede in ihrem späteren Entwicklungsstande wohl vielfach die verschiedenenAbgaben der früheren Zeit in sich aufgenommen. In Westfalen wurde die Bede