484 Mittelalter.
14. Jahrhunderts keinen Kitterstand gab, führten die freien Vollbauern(Hausleute), denen auf Grund ihres Stammgutsbesitzes (ethel) die aus-schließliche Wählbarkeit zu dem Amt eines Richters (redieva) zukamden Namen elhelinge 61 , während die geringeren Freien frilinge hießen 62 .
Als eine höhere Klasse unter den Gemeinfreien sind auch die bäuer-lichen Schöffenbaren (Schöffenbarfreie, Freischöffenbare, Königsfreie, auchschlechthin „Schöffen") der westfälischen Gerichte anzusehen, die auchin Ostfalen nicht ganz fehlten, obwohl hier zur Zeit des Sachsenspiegelsim allgemeinen nur Angehörige des Herrenstandes und Vorbehalts-ministerialen (S. 479), auch später nur Männer ritterlichen Standes zurSchöffenbank an den Graf engerichten Zutritt hatten 63 . Jedenfalls mußten
Hartmanns v. d. Aue sagt der Held, ein freier Herr und wol den' fürsten(Vers 43) von seiner Retterin, deren Vater, sein Meier, ein frier büman und(Vers 269. 276) ist: nu' ist si fri, als ich da bin; nu rcet mir aller min sin, daz ichsi ze uibeneme (Vers 1497ff.). Drei um 1300 entstandene HSS. des Schwabenspiegels(WSB. 80, 313 o. 3. 355 c. 138), die schon Heck herangezogen hat, unterscheidendreier lande freien: 1. die Fürsten (sembervreie, die dbern vreien), 2. die miüervreien,als deren Mannen, 3. die dritten haizent edelinge und sint gepouwern; als edelinehwird dann auch der Fronbote, der ein freier lantsaze sein muß, bezeichnet.
61 Vgl. S. 471. Heck Fries.Ger.-Verf. 239ff. 252. 257ff. 291ff. Seerp-Gratama GGA. 1895 S. 850ff. v. Sybel 2 131. v. Richthofen Unters. 2,1026Ö.und Mayer (S. 468) 32ff. sehen in den Edelingen die Nachfolger des friesischenVolksadels, die sie (im Gegensatz zu den „Hausmännern") mit den späteren „Häupt-lingen" gleichstellen. Aber die „Häuptlinge" scheinen vielmehr ein erst seit Endedes 14. Jahrhunderts emporgekommener Amtsadel gewesen zu sein, dem nunallerdings das Prädikat „edel" als ausschließliches Standesrecht zukam. Man darfwohl annehmen, daß der altfriesische Volksadel in Ost- und Mittelfriesland einerähnlichen demokratischen Bewegung, wie die der sächsischen Stellinga um 842(Waitz 3 2 , 149 n. 2) zum Opfer gefallen war. Ein im 12. Jh. von den Bauernunternommener Versuch, auch den westfriesischen Adel zu verdrängen, blieb er-folglos. Vgl. v. Richthofen Unters. 3, 80ff.
62 Vgl. Siebs bei Heck, Ger.-Verf. 228f. 246ff. Als friling oder unedelmonwurden einmal die in einer Kebsehe erzeugten Söhne eines Edelings, die das Rechtam väterlichen Stammgut entbehrten, sowie die Edelinge, die dies Recht durchVerbrechen verwirkt hatten, bezeichnet, vor allem aber die Kleinbauern, diePächter oder „Heuermänner" und freien Einlieger, die bei anderen Leuten inLohn und Brot standen. Vgl. Heck 245ff. 248. 251ff. 256f. 266.
63 Vgl. Molitor Stände 7ff. 34ff. Lindner Veme 398ff. Heck Stände340ff. 369. v. Amira ZRG. 40, 388. E. Mayer DFrzVG. 1, 399. Beyerle Pfleg-hafte 271f. 281 ff. Fehr ZRG. 45, 487; Fürst u. Graf 71. Meister Ostfäl. Ger.-Verf.197f. (für Ostfalen ablehnend). Die Glosse zu Ssp. III 29 § 1 (Homeyer) beruftsich zum Beweise, daß die Schöffenbarfreiheit von der Heerschildsordnung un-abhängig sei, u. a. auf die ostfälischen Grafschaften Mühlingen und Billingshohe:Als in de gravescap tu Mulinge und turne Billingshoge wol enhede is, went aarschepenbare lüde wol sleghte bure sin: darumme ne eddelt si, eder nemene, en ambacht.Wilmans Westf. ÜB. IV. 1 Nr. 221 (1238): homo libere conditionis quod in vulgär}scepenbare vocatur. Kindlingex Münst. Beitr. 3 Nr. 145 (1404): gekoren vri-scepenbar gerichteslude. Lippische Regesten 3, 228 Nr. 1974 (1458, nicht 1438):schepgeboren honingsfrigge. Z. vaterl. G. Alt.-K. 3, 73f. (1459): wu men enen vri-scepenbar man ut sine vriscepene rechtsvriheiden und vriden winnen soll. LindnetVeme 256 (1433): hei ensi dar dinkplichtich und ein schepenbar vrige of koninges