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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
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387
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§ 36. Strafrecht. 3. Einzelne Verbrechen. 387

nur wenn er in christlicher Form abgelegt worden war (im Gegensatz zuden altgermanischen Eiden auf Waffen, Eidring u. dgl.), unter öffentlicheStrafe gestellt (meistens Verlust der Schwurhand mit oder ohne Lösung),während die älteren Volksrechte, die Strafe von der mit dem Eid ver-bundenen Selbstverfluchung erwartend, den Meineid nur mit einer Geld-buße belegten 100 .

Unzucht weiblicher Familienglieder unterlag in alter Weise demFamilienstrafrecht, während der dabei beteiligte Mann bußfällig wurde;eine öffentliche Strafe trat nur bei geschlechtlichen Vergehungen Freiermit Unfreien ein 101 . Ehebruch konnte, da die Kebsehe erlaubt war,nur mit einer Ehefrau begangen werden 102 . Der Ehebruch galt alsFehdesache; auf handhafter Tat Ertappte konnten straflos getötet wer-den (n. 12). Auf Klage des Ehemannes konnte der Ehebrecher in einebesondere Ehebruchbuße verfällt werden; manche Rechte verhängtenaber Todesstrafe, Halslösung, Verknechtung. Die Verfolgung der Blut-schande galt in erster Reihe als Sache der Kirche, die öffentliche Ge-walt schritt in der Regel erst ein, wenn die Beteiligten sich der vomgeistlichen Richter verlangten Trennung nicht fügten. Die Strafe für dieschwersten Fälle des Inzestes war der Tod, in anderen Fällen Vermögens-einziehung und Verbannung, bei Unvermögenden Verknechtung oder Ge-fängnis. Die karolingischen Gesetze überließen die Strafe königlichemErmessen 103 .

Notzucht (notnumft) und Frauenraub wurden in den Gesetzenmeistens unter dem Begriff des raptus zusammengefaßt 104 . Die Notzucht

100 Vgl. n. 46. S. 273 n. Wilda 978ff. Del Giudice 172ff. Brunner 2,389. 681 f.; bei Mommsen a. a. 0. 54. v. Richthofen Zur L. Sax. 236ff.Osenbrüggen a. a. 0. 158. Schmid Ges. d. Angels. 631. Freund Lug undTrag unter den Germanen 1863. v. Schwerin DRG. 273; ZRG. 46, 428ff.L. Burg. 8, 3. 80, 2. Liutpr. 57. 63. 144. L. Cham. 32. Cnut 2, 36 (Lieberm. 338).MG. Cap. 1, 49 c. 10. 98 c. 36. 124 c. 11. 139 c. 4. 269 c. 1. 283 c. 10. L. Fris. 10verband Hals- und Handlösung, während L. Sax. 21, 22 Todesstrafe für wissent-lichen, Handlösung für unwissentlichen Meineid verhängte.

101 Vgl. S. 71. 335. Wilda 809ff. Del Giudice 152ff. Brunner 2, 658ff.Osenbrüggen a. a. 0. 97ff. v. Amira 3 248f.

102 Vgl. S. 3341 Wilda 821 ff. Del Giudice 157ff. Brunner 2, 662ff.Osenbrüggen a. a. 0. lOOff. Sohm Trauung u. Verlobung 2ff. RosenthalRechtsfolgen des Ehebruchs 1880. Bennecke Strafrechtliche Lehre vom Ehe-bruch 1884. Zeumer N. Arch. 24, 606ff. Für Bigamie hatte das weltlicheRecht keine besonderen Strafbestimmungen, da sie als Ehebruch behandelt wurde.Vgl. Wilda 852f. Osenbrüggen 104f. Dahn Studien 232. Thonissena. a. 0. 302.

loa vgl. Wilda 855ff. Del Giudice 160. Brunner 2, 664ff. LoeningKR. 2, 550ff. Zeumer, N. Arch. 24, 613t Mayer-Homberg 1, 138—145.L. Burg. 36. L. Fris. add. sap. 3, 78. Cnut 2, 51 (Lieberm. 346). L. Wis. 3,5 o. 1. MG. Cap. 1, 15 c 2. 23 c. 18. 97 c. 33. Über L. Alam. 39 und L. Baiuw. 7,1 3 vgl. § 31 n. 83. Der ursprünglich sehr enge Begriff der Blutschande im alt-germanischen Recht (vgl. Brunner und Roethe bei Mommsen a. a. 0. 58. 65f.) istnur sehr allmählich und schrittweise unter dem Einfluß der Kirche erweitert worden.

104 Vgl. S. 261 n. 262. 334. 351 n. Wilda 829—52. Del Giudice 162ff.Brunner 2, 666ff. Osenbrüggen a. a. 0. 109ff. Gaupp Thür. 379ff. v. Richt-

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