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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
Entstehung
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258
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258 Fränkische Zeit.

dem südlichen Teil der Niederlande und gelangte auch bei den stamm-verwandten chattischen Franken in Hessen, am Mittelrhein und in denFlußgebieten von Mosel, Lahn und Main zur Geltung. Es war das Haus-gesetz der Merowinger und hatte in gewisser Beziehung (§ 17 n. 28)grundgesetzliche Bedeutung für das ganze Reich. Über die Aufzeichnung:des Gesetzes berichten zwei dem Gesetz in Handschriften beigefügteProloge. Der längere Prolog führt es auf Weistümer zurück, die noch inder heidnischen Zeit durch einen Ausschuß von vier Männern an drei ver-schiedenen Malstätten vor dem Ding vorgetragen seien; später sei eineRevision und Ergänzung durch Chlodovech, nachdem er das Christentumangenommen hatte, und sodann durch Childebert und Chlothar erfolgt.Während der längere Prolog bisher allgemein für alt und im wesentlichenglaubwürdig gehalten wurde, hat neuerdings Krammer darauf auf-merksam gemacht, daß seine sagenhaften Mitteilungen einer Erfindungdes Liber historiae Francorum von 727 (MG. Scr. rer. Merov. 2, 244) ent-lehnt,' seine positiven Angaben über die Zusammensetzung des Gesetzesaber einem dem Gesetzestext in einigen Handschriften angehängten,durchaus glaubwürdigen Nachwort, dem sog. Epilog, entnommen sind 21 .Nach diesem hatte der ungenannte Gesetzgeber (rex Francorum) seinemursprünglich in 74 Titeln abgefaßten Werke später mit Zustimmung seinesVolkes (posiea una cum Francis pertractavit) noch drei Titel (7577) hinzu-gefügt. Erheblich später (post mulium tempus) hatte dann König Childebert (1)mit seinem Volke (cum suis Francis) weitere, bis Titel 84 reichende Zu-sätze beschlossen und diese seinem Bruder Chlothar (I) mitgeteilt, derdann cum regnum suum noch die auf Titel 84 folgenden, bis zum Schlußreichenden Titel (8599) vereinbarte, worauf beide Könige gemeinsamdieser Vermehrung des Gesetzes ihre Sanktion erteilten 22 .

Die genauen Angaben des Epilogs berechtigen zu der von Krammeraufgestellten Vermutung, daß dem Verfasser eine Handschrift vorgelegenhat, in der die vier hier unterschiedenen Abschnitte des Gesetzes bereitsden von ihm genannten Gesetzgebern durch besondere Überschriften

Stobbe 1, 28ff. v. Sybel Königtum 167ff. 308ff. Thonissen Organisationjudiciaire de la Loi Salique 5ff. Viollet Hist. du droit civil 95ff. Waitz VG.2 3 , 1 S. 88ff.; 119ff.; Abh. 413ff. Wiarda G. u. Auslegung d. sal. Gesetzes 1808. -Fehr Hammurapi u. das sal. R. 1910 (vgl. Rietschel Hist. Z. 109 S. 326).Schramm Sprachliches zur L. Sal., Diss. Marburg 1911.

21 Krammer Entsteh, d. L. Sal. (SA.) S. 48ff.

22 Expliciunt legis Salica libri III. Quem vero rex Francorum statuit et posteauna cum Francis pertraetavit, ut tres titulis aliquid amplius adherit. Sic a primausque ad septuagissimo oct'avo perduxil. Deinde vero Chiddebertus post multumtempus traetavit, ut quid venire potuerit, quod ibi cum suis Francis adhere deberet.A septuagissimo oetavo usque LXXXIIII perinvenit, quod ibi digne inposuismcognoscitur. Iterum cum hoc his titulis Chlotharius a germano suo seniorem suumgradanter suseepit, sie et ipse similiter cum regnum suum perinvenit, ut ab octuagissimoquarto adderit et ita perfectum perduxit, et inde quod ipse invenit fralrem suum rescriptadirexit. Sic inter eis conienit, ut isla omnia que constüuerunt starenl.