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5 (1930) Deutsche Schrifttafeln aus Papierhandschriften des XIV. bis XVI. Jahrhunderts : mit einem Anh.: Gesamtverzeichnis für Bd. 1 - 5
Entstehung
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SCHLUSSWORT

Indem wir mit der vorliegenden V. Abteilung derDeutschen Schrifttafeln" ein Werk zum Abschlußbringen, dessen Anfänge vor 20 Jahren unter wesentlich glücklicheren allgemeinen und persönlichen Ver-hältnissen hervorgetreten sind, läge es nahe, bei einem Rückblick auf die geleistete Arbeit ihre langeVerzögerung und die ihr anhaftenden Unvollkommenheiten zu entschuldigen durch eine Schilderung derKriegsnöte, die unserer wie so vielen anderen wissenschaftlichen Unternehmungen verhängnisvoll gewordensind, die unsern ersten wagemutigen Verleger, Carl Kuhn, zum geschäftlichen Zusammenbruch führten unddie von uns selbst den einen durch Krankheit vorzeitig lähmten, dem andern aber eine unerwartete Änderungdes amtlichen Wirkungskreises brachten, was alles einen ruhigen und gleichmäßigen Fortgang der aufweite Sicht eingestellten Arbeit unmöglich gemacht hat.

Es wird uns aber kaum verdacht werden, wenn wir uns mit diesen kurzen Andeutungen über dieäußeren Hemmnisse des Buches begnügen und uns lieber nicht ohne eine gewisse Befriedigung an dasEndergebnis halten, daß durch die weitere Entwicklung und den jetzigen Stand der gelehrten Forschungdie Art unserer Problemstellung und Arbeitsmethode keine Widerlegung, sondern reiche Bestätigung ge-funden hat, so daß wir hoffen dürfen, mit unsern Deutschen Schrifttafeln nicht nur für die Vergangenheitgearbeitet, sondern dem lebendigen Fortschritt der wissenschaftlichen Forschung von der deutschen Spracheund Schrift ein dauernd brauchbares neues Hilfsmittel geschaffen zu haben.

Unser Ziel war, die Entwicklung der Schrift der deutschen Sprachdenkmäler an bezeichnenden Probenaus Handschriften der verschiedenartigsten Herkunft und Zweckbestimmung anschaulich zu machen vonihrem ersten Auftauchen an neben und in den Schriftwerken der lateinischen Kultur des Mittelalters biszu der Wandlung der ruhigen Buchschrift zur flüchtigen Kursive und der hiedurch entscheidend gefördertenAblösung des geschriebenen Buches durch das gedruckte, das auf den so übernommenen Grundlagengemäß seinen neuen technischen und geistigen Möglichkeiten und Erfordernissen in den folgenden Jahr-hunderten seine Eigengesetzlichkeit entwickelt

Auf das einzelne Schriftbild also und die genaue Feststellung seiner Eigentümlichkeiten haben wirbei unserem Tafelwerk in Wiedergabe und Besprechung den ganzen Nachdruck gelegt Daher beschränkenwir uns jedesmal auf einen kurzen Bericht über die Handschrift selbst, ihren Inhalt und ihre Herkunftund ihre bisherige wissenschaftliche Benützung und Bewertung, geben aber von der vorgelegten Seiteeine genaue Umschreibung des Textes und eine knappe Charakteristik der graphischen Eigenart des Schreibers,zu deren sorgfältiger Beobachtung wir so auch den ungeschulten Benutzer anleiten möchten.

Dagegen haben wir darauf verzichtet, mit eigenen Untersuchungen allen den paläographischen undgermanistischen Problemen nachzugehen, die wir bei der reichhaltigen Verschiedenartigkeit unserer Aus-wahl mit Bedacht der wissenschaftlichen Prüfung und Bearbeitung nahezubringen versucht haben.

In diesem Rahmen bereits eine systematische deutsche Paläographie zu geben, war nicht unsere Ab-sicht und auch nicht möglich. Doch wird der Forscher wie der Studierende auch nach dieser Richtungin unsern grundsätzlichen Hinweisen auf sprachliche Zusammenhänge und Lautbezeichnungen, auf genauezeitliche und örtliche Unterscheidungen u. a. m. manche Anregung gewinnen können.

Von welchen Grundlagen wir ausgehen konnten, als wir uns zu dem jetzt vollendeten Unternehmenentschlossen, davon haben wir in zwei in der Germanisch-Romanischen Monatsschrift veröffentlichtenVorträgen einen noch heute gültigen Überblick gegeben: 1910, S. 7590: Glauning, Zur Einführung indie deutsche Paläographie, und 1911, S. 1532: Petzet Die deutschen Handschriften der MünchenerHof- und Staatsbibliothek.

Zur Ergänzung der dort gegebenen bibliographischen Nachweise, wie zur Beleuchtung der seitherüber die wissenschaftlichen Kreise weit hinausgewachsenen Beschäftigung mit den Fragen der deutschenSchrift muß jetzt vor allem auf dieSachverständigen-Aussprache über Fraktur und Antiqua" verwiesenwerden, die, am 20. und 21. Juni 1927 zu München veranstaltet ihre Verhandlungen im 16. Heft der Mit-teilungen der Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und Pflege des Deutschtums, Deutsche Akademie,Sept-Okt. 1927, vorgelegt und dabei die Notwendigkeit eines umfassenden wissenschaftlich zuverlässigenAnschauungsmaterials aufs neue schlagend bewiesen hat

Die Beschränkung unserer Auswahl auf die Bestände einer einzigen Bibliothek wurde, im Hinblickauf die sonst unvermeidlichen Schwierigkeiten, von der einsichtigen Fachkritik von Anfang an nicht nurals eine Notmaßnahme, sondern als ein durchaus zweckmäßiges Verfahren begrüßt da in der Tat diedeutschen Handschriften der Münchener Staatsbibliothek jedem irgend auftauchenden Bedürfnis oder Ge-sichtspunkt bezeichnende Proben zur Verfügung stellten und eher durch ihren überquellenden Reichtumals durch ein Versagen Verlegenheit zu bereiten imstande sind. Sie haben es ermöglicht, deutsche Sprach-