. i — 255 —
Wohl der Kunst verhandelt; —' durch Hummel und Mo-scheies ist das Clavierspiel seinem "Verderben entgegengegangen. Letzterer hat sogar die Anmassung gehabt,Werke von Beethoven, den er nie spielen gehört, zumetronomisiren, er, Schindler, habe ihm aber schonanderswo seinen gehörigen Lohn dafür gegeben. Liszt,den er auch gewaltig mitnimmt, habe sich drei Jahre vonihm zur Besserung ausgebeten (ein guter Witz von Liszt),er ihm vier Jahre zugestanden; nun gebe er ihn auf . . ." *)
„Ich beschäftige mich", sagt Moscheies, „einstweilenmit Beethoven's Genius, da ich Cadenzen zu seinen Con-certen schreibe, die Senff verlegen will. Natürlich be-dürfen selbstschaffende Künstler deren nicht zu ihrenLeistungen; sie können ihren eigenen Inspirationen folgen;den hierzu weniger befähigten Spielern hoffe ich abernützlich zu werden." . . . „Auch eine neue Auflage meinerPräludien muss ich eben jetzt vorbereiten."
„Merkwürdige Titel zu Ciavierstücken habe ich kürz-lich gesehen: Le torrent ? Meinetwegen, weil es wirklichein Sturzbad von Noten ist, aber „Aus dem Hochlande";„Sonnenuntergang" und „Unwetter" könnten auch irgendeine andere Benennung bekommen. Giebt man einen Titel, sosollte er passen wie der Punkt auf's i, sonst mache ichlieber einen Strich, wie durch's t!" . . .
Die Sommerferien werden in München zugebracht,weil der Sohn dort seine Zeichen- und Maler-Studien macht.Moscheies schreibt: „Wir finden München in grosser Reg-samkeit und man sieht ihm das schwerfällig machende
*) Ferdinand Hiller Hess einen offenen Brief an Schindler alsEntgegnung drucken, in welchem er seine Lächerlichkeiten als bekanntenarai de Beethoven ins hellste Licht setzt und ihn fragt, ,,ob er es inseinem Leben so weit gebracht, die erste Etüde von Cramer spielen zukönnen? Ob er ihm irgend eine Spur von einer Schindler'schen Compo-situm irgendwo nachweisen könne? Ob er als Dirigent eine der "Weltunbekannte Vergangenheit habe? Ob er Ansprüche auf die Stelle einesStatthalters Beethovens mache? H. schliesst mit den Worten: Nurdie Lumpe sind bescheiden, sagt Goethe; ich rechne daher auf eine auf-richtige unbescheidene Antwort. Ihr so viel wie möglich ergebener
F. Hiller."