1846.
Schon am zweiten Januar erreicht der förmliche An-trag des Leipziger Conservatoriums London; er ist in denfreundlichsten Ausdrücken abgefasst und von den HerrenDr. Seeburg, Dr. Keil, Preusser und Schleinitz unter-zeichnet, und wieder schreibt Mendelssohn, wie „die Aus-sicht der Annahme ihm sehr, sehr grosse Freude macht."Und dann: „Am Tage, wo Du zusagst, trinke ich meinenbesten Wein und etwas Champagner obenein." Dann fol-gen in diesem Briefe eingehende Notizen über Einnahmenund Ausgaben in der neuen Stellung, und zum Schlusssagt er wieder: „Der allgemeine Wunsch der Hiesigen,und ihre allgemeine Freude bei dem Gedanken DeinesKommens ist doch an und für sich etwas Ehrenvolles,das freilich in keinem Verhältniss steht mit der Ehre, dieDu den Hiesigen durch Deine Uebersiedelung erweisenwürdest; — aber schon ein solches wechselseitiges Verhält-niss ist gut und segensreich und bietet die beste Gewährfür eine frohe Zukunft. Kurz, ich möchte, Du kämest!" —
Moscheies schreibt dem Schwiegervater am 21. Januar:„Die Fortsetzung meiner Leipziger Angelegenheit sehen Sieaus den beigelegten Copien der soeben erhaltenen Briefe. Ich
bin mehr als je geneigt, meine hiesige Stellung aufzugeben__
Will man hier der Mann des Publikums sein, so muss manviele Concessionen machen und ich möchte weder in kauf-männischen Zwecken componiren, noch da als Lehrer fun-giren, wo man meistentheils ohne tieferes Eindringen indie Kunst, nur der Mode halber lernt. Natürlich besprecheich die brennende Frage viel mit meiner Frau und wirsind uns ganz einig darüber, dass wir bei Entbehrung so