Druckschrift 
1 (1872)
Seite
192
Einzelbild herunterladen
 

192

theilnehmend an das Schicksal der schönen, vielleichtschuldigen, doch unglücklichen Frau erinnern. Hier istdie Rüstung des Darnley, seine Stiefel, seine Handschuhe,dort das kleine Fensterchen, aus dem man den neu-geborenen Jacob I. herausreichte, weil seine Mutter, diekönigliche Wöchnerin, drin im Zimmerchen in Haft war,und endlich hier neben dem Schlaf- und Wohnzimmer derKönigin eine versteckte Seitenthüre, die zu einem unter-irdischen Gange führt.Als die Königin von ihrem Ge-mahl mit ihrem Liebling, dem Lautenspieler Rizio, über-rascht wurde, heisst es, ward er, durch Dolchstiche ver-wundet, bis an diese Ausgangsthür geschleppt. Die dun-keln Flecke hier am Boden sind sein Blut." Als Belegdieser Ansicht, die uns mythisch erschien, schenkte mirMr. Ballantyne, der Freund Scott's und Drucker seinersämmtlichen Werke, ein Billet von ihm, wo es über dieseviel angefochtenen und bezweifelten Blutflecke heisst:I have no doubt of Rizio's blood being genuine. I willlook at the plan of the place, but think I am right. (Ichzweifele nicht an der Echtheit von Rizio's Blut in denbewussten Flecken. Ich will mir den Plan der Oertlich-keit ansehen, meine aber Recht zu haben.) Ein gewichti-ges Wort aus Scott's Munde."

Ein andermal wurden wir in die grosse Halle des Gerichts-hofes High Court of Justice geführt; dort wogen die ver-schiedenen Gerichtspersonen, viele in ihrer Amtstracht mitschwarzem Mantel und gepuderter Perrücke durcheinander;.das Geräusch schien mir tausendstimmig, und doch sitzendie Oberrichter in verschiedenen Abtheilungen da, undlassen sich von den Rechtsgelehrten beider Parteien dieverschiedenen Fälle vortragen. Wie es ihnen aber mög-lich ist, sie in diesem Gewirre zu hören oder gar zu ver-stehen, ist mir unbegreiflich. Ich stand neben Mr. Murray,einem der grössten Advokaten Schottland's, der eben einenFall vortrug; das Geräusch war aber so, dass ich nichtein einziges Wort verstand und nur seine Mund- undHandbewegungen wie in einer Pantomime sah. Ob nundie Routine dieser Richter so weit geht, in diesem Ge-