Druckschrift 
Zwey Predigten, bey Gelegenheit der Sammlungen milder Beyträge für die unglücklichen Bewohner des linken Rheinufers
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

) 10Sie erlauben sich gegen ihn, was sie gegen näherenicht wagen wurden. Laßt einen unbekannten, unbe-rühmten Mann erscheinen, der zu einer andern Na-tion gehört, durch seine Farbe sich auszeichnet, einanderes Gewand tragt, eine andere Sprache führt,andere Sitten an sich hat; wie viele können ihrenWitz nicht unterdrucken, sie lassen sich von ihm zuSpott und Hohn fortreiſſen. Aeltere Menſchen gehendarin voran: wie könnte man es den jüngern verar-gen, wenn sie sich an ihre Führer anschließen?Sohandeln Menschen gegen das heilige Gefühl, dastief in unserm Innern liegt, und sich machtig erhebt,gegen die Vorschriften der Gesetzgeberin in uns, ge-gen die Lehre der Frömmigkeit, gegen jene Lehre, dievom Himmel stammt, und uns zum Himmel hinan-leiten soll. So entehren sie sich selbst und ihr Ge-ſchlecht.Auch behaupte ich damit nicht, daß es nicht zuallen Zeiten der Menschenfreundlichen viele gege-ben habe. O gewiß, auch ſchon in den fruͤhern Ta-gen zeichnete sich mancher dadurch aus. Sein Bild-niß glänzt aus weiter Ferne zu uns herüber. SeinSinn und Verhalten kann und ſoll uns zum Mu-ster dienen.Einen solchen edeln Mann werden wir auch heuteantreffen, wenn wir, wie wir zu thun pflegen, imGeiste in die erste Welt zurückgehen. Mochten wirauf ihn sehen und ihm nachfolgen! Möchten wirder Stimme der Liebe, die so deutlich aus unsererBrust ertont, so laut aus dem Heiligthum der Reli-gion wiederhallt, Gehör geben! ,,Liebe ist des Ge-setzes Vollenduͤng. Mochten wir uns so Gott undJesu immer mehr nähern!