Aber der Krieg an sich ist Unrecht, der Krieg mit seinem Brennen,Morden und Blutvergießen, ſeiner Verwilderung der Sitten, ſeinerVerrohung und Verthierung des Menschen. Einverstanden: er ist einUebel, aber ein nothwendiges. Höher als Leben und EigenthumTausender steht Leben und Eigenthum von Millionen, höher als Lebenund Eigenthum steht die Ehre und die Freiheit. Diese Güter werdenimmer wieder angetastet von trotziger Feinde Hand, so lange bisnicht jener Zukunftsstaat, das Wolkenkuckucksheim, eingerichtet ist, sondernbis — das von allen Christenmenschen so heiß ersehnte Gottesreich sichherniedergesenkt auf unsere armselige Erde, bis die Lande des Herrngeworden sind, des Herrn und seines Christ. Aber„So lang' es bleibt, wie's war, auf Erden,„Kann aus Blut und Krieg nur Friede werden,In dem Kriege selber, dessen glorreichste Waffenthat wir heutefeiern, entfaltete die Gerechtigkeit unsers Volkes ihren vollen Inhalt.Die Gerechtigkeit ist ja ein duftender Kranz oder eine Perlenschnurglänzender Tugenden. An erſter Stelle nennen wir die Tapferkeit.Ob es galt, die steilen Felsabhänge der Spicherer Höhen unter einemHagel von Kartätschen Mann für Mann zu erklimmen; ob es galt,durch den Todesritt einer ganzen Brigade die todspeienden Kanonen vonVionville zum Schweigen zu bringen; ob es galt, die nur mit StrömenHeldenblutes einzunehmenden Häuser von Bazeilles zu stürmen; ob es galt,kaltblütig geschlossene Reiterregimenter auf Schußweite heransprengen zulassen, dann mit dahinmähenden Salven und tödlichem Schnellfeuerihnen ein gebietend „Kehrt Marsch!“ entgegenzudonnern; ob es galt,als Belagerer starker Festungen Tage und Nächte in Sumpf und Kothzu liegen und bei unwirthlichstem Wetter standhaft auszuharren, oderauf grundlosen Wegen unter strömendem Regen endlose Eilmärschezurückzulegen; ob es galt, im Lazareth die verstümmelten Glieder zumFlicken, so gut es ging, mit aufeinandergebissenen Zähnen dem Arztehinzuhalten, — ein elender Wicht, der Euch der Feigheit zeihen wollte!Wenn auch das Herz manchmal bange an die Rippen klopfte beimBrüllen der Kanonen, beim krachenden Krepiren der Granaten, beimKnattern der Gewehre, wenn dieser Nebenmann plötzlich lautlos hin-sank oder jener Vordermann kopfüber hinstürzte ins feuchte Gras, wennauch manchmal die Lippe bebte, da doch jeder einzelne so dicht standvor der Pforte der Ewigkeit — feig hat Euch niemand gesehen, unddeutsche Hiebe von anno 70 sind in der ganzen Welt berühmt. WasKönig Wilhelm schrieb nach der Schlacht von Gravelotte, das trifft zubei fast allen Schlachten des Krieges: „Unsere Truppen thaten Wunderder Tapferkeit gegen einen gleich braven Feind!
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Reden bei dem religiösen Festakte auf dem Exerzierplatze zu Düsseldorf, gehalten von Herrn Divisionspfarrer Dr. Pörtner und Herrn stellvertr. Divisonpfarrer von Bracken am Sedantage 1. September 1895
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