Druckschrift 
1 (1896)
Entstehung
Seite
25
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Tafel 47. Daniel Marot (ca. 1660—1710).

Das Blatt entstammt der Bibliothek des Berliner Kunstgewerbemuseumsund ist von dem bekannten Sammler und Kunstkenner, Architekt Destailleurals Daniel Marot bezeichnet worden. Es handelt sich um einen barockenGedanken, um die scheinbare Erweiterung eines Raumes nach oben durchEinführung eines gemalten Mittelfeldes, das eine perspektivische Architekturund über dieser den Einblick in den Himmel darstellt. Dieser Gedanke istvon italienischen und deutschen Meistern weit entschiedener durchgeführtworden. Eine gewisse Strenge in der Behandlung ist gerade für die franzö-sische Kunst bezeichend. Der Lehrer dieser grossen Unteransichten, Pietroda Cortona, hätte sich mit dem geradlinigen Balken, der hier als Umrahmungdes Mittelfeldes erscheint, nicht zufrieden gegeben!

Mein Freund, Professor R. Haupt in Hannover macht mich darauf auf-merksam, dass manche Einzelheiten des Blattes auf eine Hand weisen, diejünger, jedenfalls barocker ist als Marot. Er bezweifelt die Richtigkeit derZuweisung. Seine Bedenken verdienen volle Beachtung.

Tafel 22. Jean Berain d. Ä. (1638—1711).

Die hier dargestellten Zeichnungen stammen aus gleicher Quelle. DerMeister ist ein Sohn Lothringens. Seine Wiege stand in der damals nochlothringischen Stadt Saint-Mihiel.

In seiner Kunst hat der Meister manches, was seine Vertrautheit mitden Niederlanden bekundet. Die Karyatide auf unsrer Tafel links stammtaus dem Rathaus zu Amsterdam, in der Bildnerei sprechen überall die Formenmit, die in dem alten niederländisch-burgundischen Gebiete ihren Ursprunghaben. Aber ein pariserischer Zug, der der Anmut und Leichtigkeit, derFormverfeinerung und der Ablehnung aller derberen Effekte spricht nichtminder deutlich aus allen seinen zahlreichen Schöpfungen hervor. Lehrreichist es, die Zeichnungen mit den nach ihnen gefertigten Stichen zu vergleichen.

Tafel 48. Gilles-Marie Oppenord (1672—1742^.

Der berühmte Zeichner wurde zu einem Umbildner des PariserGeschmackes. Sohn eines Niederländers (op den Oordt), hat er zweifellosaus dessen Heimat wie aus Italien starke Einflüsse erfahren. Es ist ein barockerGeist, der in seiner Frische der akademischen Architektur entgegentritt unddadurch die lebenslustige Welt der Regence mit sich fortreisst.

Tafel 175. Paris, Hotel de Soubise.

Das Hotel de Soubise und das anstossende Hotel de Rohan bildenjetzt zusammen den Sitz der französischen Staatsarchive. Eine Anzahl vonSälen sind öffentlich zugänglich. Es sind dort Sehenswürdigkeiten ausgestellt.Den Bau schuf der Architekt Delamaire (f 1745), die innere Einrichtungleitete Germain Boffrand (f 1754). Die Bildhauerarbeiten fertigte der PicardeRobert le Lorrain (1666—1743). Die Italiener Caffieri haben anscheinend amOrnament nicht unwesentlichen Anteil gehabt.

Unsre Tafel stellt die einstige Chambre du lit dar, den Raum für dasPrunkbett, jetzt Saal der Urkunden aus der Zeit der Bourbonen. Er dürfteeines der vollendetsten Beispiele des Rococo in Frankreich sein.

Tafel 75. Troyes, Hotel de Dieu.

Das Krankenhaus von Troyes, genannt Hotel Dieu le Comte, entstand17CXJ—1760. Ein Pariser Schlosser Pierre Delphin schmiedete das pracht-volle Thor in dem Vorhof. Darüber das Königliche Wappen, umgeben vonder Kette des Heiligen Geist Ordens, seitlich die Wappen der Champagneund von Navarra. Neben den herrlichen Gittern am Place Stanislas inNancy ist dies eines der schönsten Werke der Schmiedekunst späterer Zeitin Frankreich.

Tafel 74. Paris, Fontaine du Vertbois.

Die Inschrift auf der Mitteltafel lehrt, dass der Brunnen an der Stelle deralten Ummauerung des Priorates Samt Martin des Champs 1712 errichtetund 1882 erneuert wurde.

Mir will scheinen, als könne man gerade an solchen Arbeiten des18. Jahrhunderts etwas lernen, was unseren Schöpfungen so oft fehlt: DieMonumentalität selbst bei einfachen Lösungen.

Die Arbeiten leitete der Architekt Le Mousseux. 1758 waren sie vollendet.Doch lag von diesem noch ein grösserer Plan vor, den 1761; Charles JosephLe Jolivet, Architekt der Staaten, verkleinert ausführte; aber das Werk blieb1775 stocken und wurde von Emiland Marie Gauthey und Dumorey, Ingenieureder Provinz, in noch weiter vereinfachter Form 1776—1780 vollendet.

Die Tafel 23 zeigt uns das Prunkstück des Baues von Getard undNoinville: die toskanische Giebelarchitektur. Sie gehört stilistisch mit jenenGiebeln zusammen, die LeVau in Versailles schuf und die jetzt die berühmteAufschrift tragen: >ä toutes les gloires de la France.« Der Vergleich ergiebt,dass dem östlicher thätigen Künstler ein Mehr an barockem Empfindeneigen ist, das sich namentlich 111 der starken Betonung der Plastik äussert.Die grössten Trophäen mahnen den Deutschen an das Zeughaus zu Berlin,wo ja auch ein Burgunder, Hulot, an der Ausschmückung Anteil hatte, einSchwager des Couston und Verwandter des Coysevox, also ein der grossenBildnerschule Burgunds sehr nahe stehender.

Der uns nicht bekannte Bildhauer, der das 17-38 erbaute Thor (Tafel 24)schuf, hat ebenfalls wesentlichen Anteil an dem ganzen Werk. Ein Zugvon Grösse ist diesem eigen. Die Thorflügel sind nahezu 10 Meter hoch,prachtvoll geschnitzt wohl von dem Hofbildhauer Jacques Verbeck, derauch in der seit 1736 erbauten Kapelle thätig war. Dort hat die ModelleFrancois Barbe modelliert, die Claude Saint-Pere ausführte. Das zweiteThor, das auf Tafel 23 rechts zu sehen ist, zeigt schon schlichtere Formen.

Die Treppe Gabriels (Tafel 99) ist eins der vornehmsten Werke dieserArt. Henri Chabeuf hat in seinem scheinen Werke »Dijon, Monuments etSouvenirs (Dijon 1 894) die erhaltenen Entwürfe zu diesem Bau veröffentlicht.

Tafel 149. Dijon, Hotel Chartraire de Montigny.

Dies Thor, das um 1740 entstanden sein dürfte, ist eine flotte Schöpfungdes Rococo. Es befindet sich in der Rue Vannerie No. 39. Das zugehörige

Palais beherbergt jetzt die Schule Saint-Francois de Sales. Merkwürdig istam Bau die Schlichtheit der Steinarchitektur, der gegenüber der Reichtumdes Schnitzwerkes erst recht ins Auge fällt.

Tafel 124. Rouen, Tour de la Grosse-Horloge.

Die Brunnenanlage an der Ecke der Rue de la Grosse-Horloge und der

Rue des Vergetiers wurde laut Inschrift von Francois de Montmorency,Herzog von Luxemburg, zu Ehren König Ludwigs XV. 1732 durch denArchitekten Jean Defrance errichtet. Der Name des Bildhauers wird nichtgenannt. Man könnte an Paul Slodtz denken, der in Rouen thätig war.Jedenfalls zeigt Defrance sich als ein Meister, der geschickt in den Halmeneines kräftigen Rococo sich zu bewegen weiss.

Tafel 73. Toulouse, Capitole.

Das Rathaus der berühmten alten Stadt, in dem die »capitouls« alsStadtverwalter ihren Sitz hatten, erhielt durch den Architekten Cammas1750—1760 seine grossartige Schauseite. Vorher bildete es ein unregelmässigesViereck zum Teil nach gotischer Herkunft. Noch steht aul der rückwärtigenSeite ganz gesondert ein kleiner Turm mit Pechnasen und Erkern, der ausdem 15. Jahrhundert stammt. Von dem Renaissancehofe (Tafel 16) ist bereitsfrüher Kenntnis genommen worden.

Cammas Architektur ist kraftvoll und gross, wenn auch nicht eben sehrgedankenreich. Sie steht aber hinsichtlich der Fülle in der Formgebung ineinem entschiedenen Gegensatz zur Pariser Kunst. Man vergleiche dieLouvrefacade mit dem Kapitol, um die Sonderstellung der südlichenProvinzen, das hier anhaltende Barock im Gegensatz zum Klassizismus derAkademie zu würdigen.

Tafel 125. Dijon, Palais Ducal.

Unser Blatt giebt eine der Thüren aus dem jetzt als Museum benutztenTeil des Schlosses wieder. Sie selbst ist ein Ausstellungsstück von hohemWert. Sie wurde von Jerome Marlet ausgeführt, der in den 80er Jahrenvielfach an ausgezeichneten Arbeiten beschäftigt war.

Tafel 150. Salembier (ca. 1770).

Tafel 23, 24 und 99. Dijon, Hotel de Ville.

Es handelt sich bei unsrer Darstellung nicht um die mittelalterlichen Teileder alten Herzogsburg, von denen ein mächtiger Turm den Bau des 17.und 18. Jahrhunderts noch heute überragt.

Dieser wurde als Palais des Etats, also als Parlamentshaus der Burgundseit 1681 geplant. Die ersten Entwürfe schufen Getard und de Noinville,Architekten des Königs. Nach ihnen baute man den grossen Saal, dreiNebensäle und die königlichen Gemächer bis 1686. Jules Hardouin Mansardentwarf das Vestibül, das 1689 übernommen wurde. Im folgenden Jahrekaufte man ein Haus, um die Facade frei zu legen, die unsre Tafel 2^, giebt,doch erfolgte die feierliche Übernahme des Baues erst 170 V

Dann, ein Menschenleben spater erfolgte die Weiterentwicklung. Manliess durch Jacques Jules Gabriel das Treppenhaus anfangen, das aulTafel 23 sich rechts an dem alten Giebelbau anlegt.

Zum Vergleich ist ein Entwurf des in Paris thätigen Zeichners Salembierzu einer ähnlichen Thüre beigefügt, die etwa 10 Jahre früher entstanden ist.Das Zeichnungsblatt befindet sich in der Bibliothek des Königlichen Kunst-gewerbe-Museums in Berlin und stammt aus der Sammlung des PariserArchitekten und Kunstkenners Destailleur.

Tafel 25. Jean Charles Delafosse (1734—1789).

Delafosse gehört zu den ausgezeichneten Meistern des Ornamentstichesaus der Zeit Ludwigs XV. und XVI. ; er gab inhaltreiche Reihen von kunstgewerblichen und architektonischen Zeichnungen eigenen und fremden Entwurfesheraus, die einen entschiedenen Einfluss auf das zeitgenossische Schallenerlangte: Hier zwei seiner Handzeichnungen aus dem Berliner Kunstgewerbe-museum und zwar für eine Kirche und für ein Reithaus, charakteristischeBeispiele seiner leicht schaffenden Kunstart.