BRYNJULFSEN, PKRICÜLCM KÜNOLOGICÜM. 333
scheint eine sehr natürliche Vermuthung. So findet man denSpruch: o mater Dei, memento mei! nicht bloss auf dem be-kannten Oldenburger, sondern auch auf einem anderen Hörn,welches bei Ol. Worm monum. dan. p. 395 abgebildet ist. In 1028den Antiquar. Annalen III, 279 wird eins beschrieben, woraufin nordischer Sprache steht: „trinket mit Frieden, vergessetnicht des lebendigen Gottes!" Dazu bemerkt Nyerup ausHumboldts Reise eine deutsche Inschrift mit alten Buchstaben,die dieser auf einem irdenen, nach Quito gekommenen und dortin einem Kloster aufbewahrten Topfe las: „wer aus mir trinkt,vergesse seines Gottes nicht!" Also beinah wörtlich mit jenernordischen übereinstimmend. Darf mau nun nicht muthmassen,auch die Inschrift des Tondernschen Hornes beziehe sich amwahrscheinlichsten auf den Gebrauch desselben? Wenn nundarauf stände: „ich bin die Lust der Gäste" oder dergleichenund dann eine Ermahnung zum Trinken? Das wäre doch einsehr passender Sinn. Ausser Zweifel ist uns nur das Worthörne, das Hr. Brynjulfsen fälschlich horno liest, die letzteRune ist hier (wie in dem schleswigischen Stein und anderenDenkmälern) kein O, sondern ein E. Damit aber Rec. nichtganz mit leeren Händen erscheine, will er eine Vermuthungüber das letzte oder, wie man abtheilt, das erste Wort äussern,dessen feinere oder dünnere Buchstaben (vgl. die Abbildung beiP. E. Müller), wodurch es sich von dem Übrigen auszeichnet,vielleicht einen geschlossenen Sinn andeuten und welches Hr. B.Tovido oder auch tovimo liest. Rec. hält die zweite Rune fürein E, die dritte für ein TH und bekommt demnach das Worttethimo; darin, glaubt er aber, habe eine Versetzung der Runenstattgefunden, eine Annahme, die nur dem zu gewagt und kühnerscheinen wird, welcher nicht weiss, wie häufig sie bei derRunenschrift stattfindet und wie verschieden z. B. die Buch-staben von dem einfachen Wort steinn gestellt sind. Er liestohne Veränderung eines Buchstaben temitho, nach genauerOrthographie toemi thü! welches bedeutet: leer' aus! trink aus!der Imperat. toemi für das gewöhnliche toem ist ein Archais- 1029mus, den man in der alten Edda (II, 316, Note 122) angemerktund durch weitere Beispiele erläutert findet. Toema, evacuare,