328 BRYNJÜLFSEN, PERICULUM RUNOLOGICUM.
eine fruchtbare Art zur Einsicht davon gelangen, so würde erlieber den fast entgegengesetzten Weg anrathen: von demSicheren und Einzelnen ausgehend langsam und mit Mühe auf-wärts Bahn zu brechen. Eine allseitige und genaue Erklärungeines einzigen Denkmals, die im Dunkel lässt, was sie nichtaufhellen kann, wird dennoch mehr Licht in die Vorzeit werfen,als hundert einander ablösende Vermuthungen und sinnreicheIdeen über den Mittelpunkt, von welchem man alles überschauenkönne. Was sollen nun die allgemeinen und oberflächlichenVergleichungen, die im ersten Abschnitte angestellt sind? Eskommt hier alles darauf an, Mittelglieder und Übergänge ausDenkmälern darzuthun, Rec. zweifelt gar nicht, dass die ver-schiedensten Zeichen eines Buchstaben dennoch von einanderabstammen können, es muss nur auf jenem Wege bewiesenwerden, wie es der gelehrte Paläograph Kopp bei den semitischenAlphabeten gethan hat. Kein Mensch kann bis jetzt, sovielRec. weiss, eine einzige Inschrift der celtiberischen Münzen miteiniger Sicherheit lesen, warum ein unzuverlässiges Alphabetneben das runische aufstellen? Mehr als den längst erkannten,in die Augen leuchtenden Satz von Verwandtschaft der Zügegewinnt niemand dadurch; dasselbe gilt von dem § 18 ange-führten sogenannten phrygischen Alphabet. Wem nützt es,dass das sichtbar erfundene ogumitische, bloss der Möglichkeitwegen, etwas Echtes darin noch zu entdecken, herbeigeholt wird?Irgendwo steht ein Alphabet, das ein saracenisches genannt ist,dem Verf. fällt es nicht schwer, damit fertig zu werden: „viel-leicht irre ich gar nicht, sagt er, wenn ich es für ein hunischesoder alanisches halte", und bringt es § 12 zu erbaulicher Ver-1023 gleichung neben das runische; dabei gibt er die angelsächsisch-deutsche Rune M für B aus. Das russische Tscherf wird S. 32mit dem runischeii S zusammengestellt, und bald darauf kannman dasselbe Zeichen als phönicisches K neben dem runischenKaun erblicken. Wer vermag auch nur einige Ähnlichkeitzwischen dem persischen und runischen A und N (S. 40) auf-zufinden, und wenn nun gar noch ein Zeichen aus der perse-politanischen Keilschrift (S. 41) und Figuren aus den Hiero-