BRYNJULFSEN, PERICULUM RUNOLOGICUM. 325
anderen eine gewisse Verwandtschaft, welche ihm gleichwohletwas Eigentümliches und Unabhängiges lasse und auf einenfrüheren gemeinschaftlichen Ursprung hindeute; nein, er willdie Bande dieser Verwandtschaft genau angeben und nichts Ge-ringeres beweisen, als dass die Runen bei einem über alle Ge-schichte hinausgehenden Alter als die Grundlage aller übrigenBuchstabenschrift von Europa und Asia, mithin als der wich-tigste Theil der Paläographie beider Welttheile zu betrachtenseien. Hier kann es nun nicht ohne eine Musterung dermenschlichen Racen und ihrer Verbreitung auf der Erde ab-gehen. Demnach besteht die Untersuchung eigentlich aus zweiTheilen: in dem einen, den wir den phantastischen nennenwollen, wird Erfindung und Ursprung der Schrift und ihreVertheilung auf der Welt abgehandelt; erst in dem anderen,wo von den wirklichen Runen die Rede ist, gelangen wir zu 1019unserem Gegenstand.
Rec. will sich bei der ersten, gleichwohl den meisten Raumwegnehmenden Abtheilung (denn die beiden Abschnitte: decomparatione inter Runas et alia alphabeta und de Runarumorigine et prima propagatione gehören hierher) kurz fassen;dies ist nicht leicht, da eine Behauptung die andere drängt.Hr. Brynjulfsen nimmt drei Menschenracen an: Neger, Mongolenund Caucasier. Die Neger, als die geringste, besitzen keinerleiArt Schrift; die etwas höher stehenden Mongolen, unter welchendie Chinesen die vornehmsten sind, haben Bilderschrift (kyrio-logische), aber keine Buchstaben, diese wurden erst von deredelsten Race, den Caucasiern, und zwar durch Verwandlungder Bilderschrift erfunden. Dabei werden vorübergehende,nicht dauernde Völker vorausgesetzt, wie die Finnen, Celtenund Semiten. Auf den Höhen des Caucasus bildete sich ausden beiden letztgenannten, den Celten und Semiten, der gothisch-caucasische Stamm, welcher, bestimmt zum Herrn der Welt,auszog, Besitz von seinem Eigenthum zu nehmen. Nun ent-standen „asiatische und europäische Gothen". Jene zertheiltensich abermals mannigfach (indem sie sich mit früher vor-handenen, von ihnen besiegten Nationen mischten) in Chal-däer, Ägypter und Indier; und aus der caucasisch-gothischen