Druckschrift 
2 (1882)
Seite
295
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AF SAXOS OG SNOKROS KILDER VED MÜLLER. 295

neun Bücher des Saxo Grammaticus, welche nämlich diedänische Fabelzeit, wie Snorre die norwegische, begreifen.So ähnlich die Arbeit mit der vorigen ihrer Idee nach ist, so .musste doch die Ausführung sehr verschieden werden, da SnorresQuellen, denen er oft wörtlich gefolgt ist, sich so ziemlich nach-weisen lassen und eigentlich nur die vierzehn ersten Büchersein Eigenthum sind; dagegen über Saxos Grundlage konntennur mehr oder minder gewisse Vermuthungen stattfinden, ausser-dem rührt Anordnung und Einkleidung ganz von ihm her, hatnichts mit anderen Gemeinsames und zeigt vielmehr eine scharfbestimmte Eigenthümlichkeit.

Im Ganzen betrachtet ist die historia danica des Saxosowohl in Beziehung auf die Zeit, in welcher sie geschriebenwurde, als auf ihren Inhalt und ihre Sprache eine ausgezeich-nete Erscheinung. Diejenigen, welche sich dem ersten undnatürlichen Eindruck überliessen, wurden ebenso von dem freien,ungewöhnlich ausgebildeten Geist als von dem reichen Inhaltund der lebendigen Anschauung überrascht, die sich in einerfremden, damals noch nicht so leicht zugänglichen Sprache mitsolcher Eindringlichkeit und zierlichen Kunst ausdrückte, undlegten dem Werk einen grossen Werth bei, ohne sich mitkritischen Sorgen über den Inhalt zu belästigen. Dieses Ge-fühl veranlasste schon ziemlich früh die dänische Übersetzungvon "Wedel (1575), und vor kurzem (1818) hat Grundtvig dasWerk neu und, wie uns scheint, nach jenem Gesichtspunkt sehrglücklich ins Dänische übertragen, dabei mit dem ihm eigenenEifer in einer sonst auch lesenswerthen Vorrede seinen Lands-leuten empfohlen. Den schwierigen Punkt der Glaubwürdigkeitübergeht er zwar nicht ganz, berührt ihn aber nur und wendetihn, wie es im Sinne jener Ansicht wohl zulässig ist, mit der 403Bemerkung ab, dass der Grund von Saxos Erzählungen ohneZweifel Wahrheit enthalte, da aber die Überlieferung schon un-vollständig und verwirrt zu ihm gekommen sei, er nichts mehrhabe thun können, als sie nach.seiner besten Einsicht benutzen;was nicht geschichtliche Wahrheit enthalte, erfreue sich docheiner geistigen, weil es aus dem Leben selbst geschöpft sei. Beidieser oder einer ähnlichen Erklärung kann sich aber die Kritik,