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2 (1882)
Seite
287
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ROLANDS ABENTEUER. 287

Werk von ähnlichem Inhalt ohne ihren Namen erscheinen Hess.Das Andenken an das Gedicht des Bojardo, welches durchAriosts Fortsetzung unbilliger Weise zurückgedrängt ist, ver-dient wohl wieder aufgefrischt zu werden, und bei uns kann esleicht mit mehr Erfolg geschehen, als bei den Italienern selbst.Diese werden dem Ariost, der ihren Forderungen auf das Geist-reichste Genüge thut, nicht den ersten Platz entziehen wollen,während wir gegen die gewöhnliche Meinung ohne Bedenken 1597dem Bojardo den Vorzug geben, weil er mit Ernst und Treuesich an die alte Überlieferung hält; die Ironie des Ariosts, ebenweil sie grundlos ist und auf keinen Ernst und ein wirklichesLeben zurückdeutet, kann ein natürliches Gemüth nicht auf dieDauer erfreuen. Wie leicht es sein mag, ein zierliches, reizendes,mit den leuchtendsten Farben ausgeschmücktes Stück heraus-zuheben, diese Bravourarie mit ihren künstlichen Läufen undTrillern in sechsundvierzig Variationen anzuhören, bleibt immerein starker Entschluss. Bojardo hat Phantasie, Behendigkeitund Geschick in Verflechtung der Begebenheiten und weisslieblich auszumalen, indessen ein vollkommenes Gedicht würdeer, auch wenn er es vollendet hätte, nicht geliefert haben; manfühlt zu bald, dass dem Ganzen ein Mittelpunkt, ein durch-gehender Faden fehlt, und man hat ungefähr die Empfindung,als würde ein reiches Gemälde in der Nacht mit der Blend-laterne gezeigt, die jedesmal nur einen kleinen Theil hell er-leuchtete, das andere aber in der Dunkelheit zurückliess. Da-gegen diese einzelnen Bilder sind oft ausgezeichnet schön, völligmärchenhaft und verdienen grosses Lob. Die vorliegende Bear-beitung in Prosa liest sich leicht und angenehm, doch verträgtdiese Art von Poesie weniger als eine andere eine solche Auf-lösung, da sie zu feingespitzten Wendungen sich hinneigt undzwar Ausführlichkeit genug bis ins Geschwätzige, aber nichtdie epische Breite und Rundung hat, die in der Prosa nunvollends nicht kann entbehrt werden.

Der dritte Band, ganz zu litterarischen Untersuchungen be-stimmt, enthält einen Beitrag zur Geschichte der romantischenPoesie, der für uns mehr Werth hat, als manche philosophisch-ästhetische Erörterung, und mit einer dem Verfasser eigenen,