Druckschrift 
2 (1882)
Seite
228
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228 HANS SACHS VON BÜSCHING. I.

keine Ehre bringen und bezeugen müssen, wie wir die Hinter-lassenschaft unserer alten Dichter hochzuachten pflegen. WäreHans Sachs ein Eigenthum Englands, so würde seit 1612 gewissmehr als ein vollständiger Wiederabdruck dieser Gedichte52 sorgfältig und schön veranstaltet worden sein. Bei uns hin-gegen, nachdem über ein Jahrhundert lang ein so reichbegabter,wahrhafter Dichter verkannt und vergessen, endlich aber vonGoethe und Wieland wieder eingeführt worden war, was ist nunseit fünfzig Jahren zu seiner Verbreitung geschehen? Bertuchfasste den Vorsatz zu einer neuen Ausgabe sämmtlicher Werke,wollte aber Subscribenten haben, die sich natürlich nicht fanden;Häslein lieferte im Jahre 1781 einen Auszug aus dem erstenBuche, der inzwischen des rechten Eindrucks verfehlte. Theilsist die getroffene Auswahl nicht ganz zu billigen, theils sinddie beigefügten Worterklärungen, obschon fleissig, jedoch beiweitem nicht von der Art, wie sie ein tüchtiger Herausgeber,der nur seinen Autor mehrmals und vollständig durchgelesenhat, ohne besondere Mühe hätte liefern können. Häufig aberwaren die Erklärungen unnöthig oder schief; wir begnügen unsauf dieMägdchen und Buben" zu verweisen, die S. 283 ausdemmeiden und sehnen" entsprungen sind. Mit der Correct-heit des Textes hat man mehr Ursache zufrieden zu sein.

Der Bearbeiter des vorliegenden Versuchs liefert absichtlichgar keinen correcten Text, sondern eine klägliche Moderni-sirung, die es den heutigen Lesern leichter machen soll, denalten Dichter zu verstehen. Dieses in sich selbst nichtige undimmerwährend schwankende Verfahren bestehet nun haupt-sächlich darin, dass neben Umsetzung der Orthographie undAussprache einige veraltete Wörter und Formen durch ähnlicheneue (mitunter schlecht passende) ersetzt oder auch nach Be-lieben beibehalten und in Randanmerkungen erklärt werden.Zumeist betrifft die Veränderung den Keim, der sich bald andersdrehen, bald ein elendes Flickwort gefallen lassen muss; HansSachs selbst nimmt es mit diesen Dingen nicht zu genau, würdeaber schwerlich so läppische, sinnverstellende Reime gebrauchthaben, wie man hier zu lesen bekommt: S. 149das thu gernich" (st. das thu ich gern), S. 352die Geiss war frölich und