216 EINLEITUNG IN DAS NIBELUNGENLIED VON MONE.
alten Deutschen erklärt und zwar schon seines Namens wegen,denn auch Othin, der skandinavische Lichtgott, heisse Sigga(Sige) und es zeige sich einerlei Namenswurzel; so auch liegein der Erwähnung des Odenwaldes und Odenheims eine leiseErinnerung von Othins Namen. Allein Sige heisst Othinselbst nicht, sondern nur einer seiner Söhne (s. die Kenningarim 4. Abschnitt), und zwar ist dieser eben nur aus der Wol-sungasaga bekannt als ein Ahnherr Sigurds. Käme es alsoauf die Verwandtschaft des Helden mit Othin an, so würde siehier viel leichter gefunden. Ferner hat Sige schwerlich mitSiegfried eine Wurzel, das glossar. eddic. h. v. erklärt es durchhomo lentus, tardigradus, bringt es also mit siga, altdeutschsigen, sinken in Verbindung. Dagegen führt Othins hierhergehöriger Name Sigarr victor nach Angabe der Kenningarauf die in unserem Fabelkreise fremden Siklinger. In demNamen Odenwalde, Odenheim etwas anderes zu finden als dieganz natürliche Bedeutung: öder, grosser Wald, Ort (vgl. odhinbei Isidor) scheint dem Rec. äusserst gewagt. — Doch deut-licher vielleicht als der Name spricht die Sache? Keineswegs,eine Übereinstimmung zwischen Siegfried und Othin dem All-1862 vater ist nicht zu finden, darum erkennt nun der Verf., aufdie mythische Einheit zwischen Vater und Sohn sich stützend,jenen in Othins geliebtem Sohne Baidur, hauptsächlich weildessen Tod mit unserem Mythus zusammenzuhängen scheint.Erlaubt wird diese Zusammenstellung erst dann, wenn sich vonSiegfrieds Tode dasselbe mit Gewissheit sagen lässt (der nor-dische Sigurd müsste aber nun auch als eine Wiederholung vonBaidur betrachtet werden). Noch ist anzumerken, dass, wennder Verf. es für möglich hält, Sietiried (Sigurd) sei einer derHauptnamen Othins gewesen, die Edda und die Kenningar, diedas nicht übersehen hätten, davon nichts wissen und diese Be-hauptung mit ziemlicher Gewissheit zu verneinen ist.
Doch Siegfried wird nun (§ 69) dem Inhalt der Sage nachbetrachtet: seine Ermordung durch den feindlichen Hagen istder Tod des Sonnengottes. Jene nämlich, behauptet der Verf.,falle bedeutend in die Zeit der Sommersonnenwende, unddamit bringt er in Verbindung, dass auf diesen Tag (24. Juni)der Tag Johannes des Täufers gelegt worden, der Tag nämlich