Druckschrift 
2 (1882)
Seite
201
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KOLOCZAER CODEX ALTDEUTSCHER GEDICHTE. 201

Dies ist es, was Rec. in 500 ganz zufällig zu der näherenDurchsicht genommenen Zeilen anzumerken findet. Das Meistedarunter mag der Handschrift selbst zur Last fallen, die ver-muthlich sehr leserlich geschrieben und von dem Herausgebersorgfältig (was immer rühmlich anerkannt werden muss) in demAbdruck corrigirt worden ist. Rein und richtig aber darf einsolcher Text nicht genannt werden. Da die heidelberger Hand-schrift selbst in kleinlichen Fehlern mit der Kolotzer überein-kommt, so möchte man fast vermuthen, dass die letztere eineAfterabschrift der ersteren sei. Um ungefähr zu erkennen zugeben, wie das Gedicht ursprünglich gelautet haben möge,wollen wir nicht nur die Zeilen 594688 in einem gereinigtenTexte hersetzen, sondern auch die Parallelstelle aus der Quelledes späteren Dichters, nämlich der obenerwähnten um hundertJahre älteren, noch völlig ungedruckten Reimchronik hinzufügen.Es möchten sich in der ganzen altdeutschen Poesie wenig somerkwürdige Vergleichungen darbieten.

du rede was dem viztuom zörn,

ein eit von im was gesworn,

daz er ir mit valscher kunst

erwürbe des herren Ungunst.

mit grimme gie er in den sal, 1372

da die meide sazen uberal;

do er die vrowen an sacli,

disü wort er zorniclichen sprach:

o we, du unholde,

sizzestu hie mit golde

gezieret unt behangen?

ez ist dir wol ergangen,

ich wil des wesen sicher;

du soltest billicher

da ze holze varn,

danne meide hie bewarn!

ich kan nicht wizzen, nmbe waz

ich mich gegen dir so vergaz,

daz ich des je geruchte

vnde zu dir besuchte

deheinen minen willen;

man solde dich mit besemen villen!"

ich enruche nicht, waz ir spreht,