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2 (1882)
Seite
174
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174 NIBELUNGEN UND GIBELINEN VON GÖTTUNG.

giss und den vier Haimonskindern das Weifische, Geistlicheangedeutet sein. In der verabscheuten schwarzen Kunst desZauberers Malagiss also liegt ein Heiliges, gar der Papst selbst?Nimmermehr. Wir vermuthen, bloss weil im Nibelungenlied[2218. 1, 2260, 2] ein Ritschart und Wichart (nicht Witschart)mit den Dieterichshelden kämpfen, ist das ganze Gedicht hierberührt und werden zwei von den Haimonskindern, die beinaheso heissen, daraus gemacht. Namenreihen können sagenmässigauf andere übergehen, aber hier müssten, wenn man so etwasbehaupten wollte, alle vier Haimonskinder genannt sein, und dererste darunter, Reinolt, dürfte in keinem Falle vermisst werden,und doch wäre es fürs Erste nur eine Übertragung von Namen.Zum Schluss ein Paar Bemerkungen über die Ansicht desVerf. im Ganzen. Wir können zugeben, dass, wenn eine neuebewegende Zeit kommt, das Volk auch seine alten Lieder undSagen in dem Scheine dieser Zeit zu betrachten und aufzu-stellen geneigt wird. Also wäre der Kampf der Gibellinen undWeifen so etwas Volksmässiges gewesen, nicht bloss als welt-licher auch als geistlicher Streit, so lässt sich denken, dass erin die Sagen eingegangen, auch wohl der alte Gegensatz derBerner und Nibelungen, der ja auch in der alten Geschichteseine Abspiegelung haben wird, sich dem neuen genähert. Wassich von selbst gemacht, würde sich dann auch in den Ge-dichten ausgedrückt und bildend eingewirkt haben; es wäre einneuer Ansatz erfolgt, wie etwa Rüdiger von Bechelar eingetretenist, den die nordischen Lieder nicht kennen. Dass, was denkbarist, nicht wirklich geschah, zeigt wenigstens, dass es nicht noth-wendig war. So aber will es der Verf. auch nicht, nein, erlässt die alten Gestalten stehen: Attila, jene burgundischenKönige, von deren Leben, Zeitalter und Verhältnisse man ge-wiss noch wusste, und lässt die Dichter bei ihnen ein unver-ständliches Zeichen machen, dass ihr Treiben von etwas anderem,was jetzt in der Gegenwart die Welt anrege, zu verstehen sei.Sie geben ihre Absicht nur heimlich und vorsichtig kund, siehaben sich alles bis ins Einzelne ausgelegt, aber sie sagen esnicht heraus. Die festen, leiblichen Gestalten schwanken, baldsind sie es wirklich, bald Andeutungen und Sinnbilder geist-licher Macht. Insofern liegt etwas wesentlich Todtes in der