Druckschrift 
2 (1882)
Seite
59
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NARRENBUCH VON F. H. VON DER HAGEN. 59

wandtschaft bewirkt. Solche einzelne Spur finden wir schon im13. Jahrhundert in dem Gedicht von Reinfried von Braun-schweig, S. 37 d des Hanöv. Manuscripts heisst es nämlich:

mit nassen schöben (Fackeln) luchtetman e vnd vasset manes schinin secken, e vch iemer minhulde werde ze teile.

Hier erscheint dieselbe Idee, die wir bei den Schildbürgernweiter ausgeführt sehen, indem sie das Sonnenlicht in Säckenfür ihr Rathhaus einfangen; wahrscheinlich bezieht sich dasvorhergehende:mit nassen Fackeln leuchten" gleichfalls aufeine hierhergehörige Sage, die jetzt verloren ist. Die folgendenJahrhunderte zeigten die Neigung des menschlichen Geistes zumScherz, das freiwillige Begeben in eine fröhliche Narrheit inihrer Entwicklung, wie die Griechen auf eine Tragödie einLustspiel folgen Hessen, oder wie der Scherz uns wieder Luftmacht und die Fesseln löst, mit denen der Ernst uns umgeben,so sehen wir diesen Gegensatz im Grossen erscheinen und dieseZeiten auf jene der Heldengesänge folgen, die einen durchaustragischen Charakter hatten. Die Weihnachtspossen, das Oster-gelächter, das Narrenfest sind Zeichen dieser Zeit, alle früherentsprungen gelangten sie dazumal zu rechter Ausbildung. Nicht 1287im Ernst, wie die theologische Facultät zu Paris zur Vertheidigungdieser Feste in einem Circularschreiben von 1441 anführt, son-dern bloss zum Scherz werden sie nach alter Sitte gefeiert, damitdie Narrheit, die uns natürlich ist und uns angeboren scheint,wenigstens alle Jahr einmal ausdünste und die Fässer mit demWein der Weisheit nicht zerplatzen. Man sieht hieraus, dassdiese Ansicht der Narrheit, wie sie auch in dem Eingang desLaienbuchs aufgestellt ist, eine allgemein verbreitete Volksideewar. Die clevische Geckengesellschaft, gestiftet im Jahr 1381,spricht sie gleichfalls deutlich aus. Endlich haben die berühm-testen Hofnarren, Kunz von Rosen, Claus Narr und der Eulen-spiegel, der eine ganze Klasse repräsentirt, in diesen Zeitengelebt.

Die vorhin genannten Sammlungen, fast alle in dem Laufedes 16. Jahrhunderts entstanden, haben uns eine Reihe sehr fröh-licher und in der That trefflicher Volkssagen erhalten. Dass