KARLS DES GROSSEN HEIMKEHR AUS UNGERLAND. 579
Tagweide sein. Den andern Tag sollst du dich früh aufmachenund schnell fortreiten, so kommst du bei Sonnenschein noch genPassau an der Donau, das ist die zweite Tagweide. Da trennedich von dem Pferd, zu Passau findest du einen Wirth, derdich wohl hält; er hat ein Fohlen, das sollst du ihm abkaufen;dieses Fohlen wird dich schnell weiter tragen, also dass du dieVermählung noch hindern kannst."
Da kaufte der König Karl das Pferd von seinem Schreiberund ritt heimlich am Morgen aus und ritt, bis er gen Rab kam,wie ihm der Engel verkündigt hatte, und also machte er vonder Bulgarei aus die gewaltige Reise in einem Tag. Da riefer aus: „Gott vertraue ich wohl!" und ritt den andern Tagnach Gottes Lehre bis Passau und kam da an noch bei Sonnen-schein. Hier fand er einen Wirth, der ihm gutes Gemach schuf.Abends, als das Vieh eingieng, kam auch das Fohlen gelaufen;er fieng es bei der Mähne und sprach: „Herr Wirth, gebt mirdas Fohlen, das will ich reiten durch Moos und Feld." DerWirth antwortete: „Herr, das Fohlen ist noch zu jung, es kanneuch noch nicht tragen." Karl antwortete: „Was redet ihr,gebt mir das Fohlen." Der Wirth sprach: „Weil es euch dennso lieb ist, soll es euch nicht versagt sein, war' es nur gezäumtund geritten." Karl kaufte es um güldene Pfennige. Am drittenMorgen ritt er fort; ein Wunder war. es, dass ihm das Pferdnicht erlag. Er ritt aber tapfer, bis er gen Achen vor dasBurgthor kam. Da fand er einen Wirth, der ihn herbergte,wie es ziemlich war.
Nun hörte man von allen Seiten einen grossen Schall vonFlöten und Gesang, von Tanzen und Springen, in allen Gassenwar ein Drängen und Treiben. Da fragte der König: „Wases in der Stadt gäbe?" „Herr, eine Hochzeit, wie sie nichtgrösser sein kann, soll hier vor sich gehen. Dazu hat sichmancher Mann versammelt, wie unsere Frau Königin entbotenhat; sie nimmt einen andern Gemahl, wie ich euch fürwahrsagen kann, einen mächtigen König. Da wird Brod und Weingegeben und Speise in der Stadt, jedermann im Überfluss,wer es sei, Alt oder Jung; Futter wird den Rossen vorgeworfenungemessen, wie ich alles angesehen habe." Der König sprach:
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